Konferenz entwicklungspolitischer Gruppen: Kritik an Weltbank-Politik

18. Jänner 2002, 17:29
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Von Globalisierungsgewinnern, Dritte-Weltlern und vergessenen Ökonomien

Wien - Heftige Kritik an der Politik der internationalen Finanzorganisationen gegenüber lateinamerikanischen und osteuropäischen Ländern haben am Donnerstag Abend die Teilnehmer einer von entwicklungspolitischen Gruppen veranstalteten Podiumsdiskussion geübt. Die in der Veranstaltung in Wien gezogene Bilanz von "30 Jahren Stukturanpassung in Lateinamerika, 10 Jahre Reformen in Osteuropa" gipfelte in der Forderung, der Weltbank und dem Weltwährungsfonds (IMF) "eine strenge Rechenschaftspflicht gegenüber den Parlamenten aufzuerlegen".

Der peruanische Wirtschaftsforscher Oscar Ugarteche zog Bilanz über das neoliberale Jahrzehnt, das Lateinamerika im vergangenen Jahrzehnt durchlebt hat. Laut Ugarteche war das (inflationsbereinigte) Wachstum des Prokopfeinkommens in den Neunzigerjahren nur etwa halb so hoch wie jenes, das die lateinamerikanischen Länder zwischen 1950 und 1975 erzielt haben. Im Fall Peru hätten die von den Finanzinstitutionen verlangten Privatisierungen 6,9 Mrd. Dollar (7,82 Mrd. Euro/107,7 Mrd. S) eingebracht. Diese seien nicht - wie ursprünglich vorgesehen - in Fonds angelegt worden, um Sozialleistungen zu finanzieren. Stattdessen seien die Gelder in Waffenkäufe und "Vermittlungsprovisionen" geflossen.

Dreiergruppierung der betroffenen Länder

Der ungarische Ökonom Joszeff Feiler, Vertreter des Bankwatch-Netzwerkes, teilte die Volkswirtschaften Osteuropas in drei Gruppen: die "scheinbaren" Globalisierungsgewinner wie Ungarn, die bereits weitgehend von ausländischem Kapital dominiert seien; Länder wie Rumänien und Bulgarien, die immer weiter in Richtung "Dritte Welt" zurückfielen sowie die "vergessenen Ökonomien" wie Russland, in denen seit dem Umbruch ganze Industrien kollabiert seien und die sich auf dem Weg zum reinen Rohstofflieferanten befänden. Der Weg, den die Nationalökonomien einschlügen, sei wesentlich von Weltbank und IMF bestimmt.

Neben einer echten "Demokratisierung" der Finanzinstitutionen verlangten die Diskutanten "die Beteiligung aller Betroffenen" an künftigen Kreditverhandlungen sowie die Etablierung eines internationalen Schiedsverfahrens zur Entschuldung. (APA)

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