Mitnichten felsenfest...

20. Jänner 2002, 23:00
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... sondern von Zeitgeist und Gesellschaft abhängig: Das Selbstbewusstsein von Frauen

Interessante Ergebnisse liefert eine Studie der kalifornischen Psychologin Jean M. Twenge, die in der Februar-Ausgabe des deutschen Fachmagazins "Psychologie Heute" präsentiert wurde. Laut ihren Untersuchungen, in denen sie Aussagen von insgesamt 46711 Personen aus den Jahren 1931 bis 1993 auswertete, war das Selbstbewusstsein der Frauen in den letzten 70 Jahren von extremen Höhen und Tiefen geprägt.

In der Zeit zwischen 1931 und 1945 erzielten Frauen hohe Werte auf den Selbstbewusstseinsskalen, doch nach dem zweiten Weltkrieg nahm das weibliche Selbstbewusstsein deutlich ab und erreichte zu Beginn der 60er-Jahre seinen Tiefstpunkt. Nicht von ungefähr kommt es, dass Frauen ab 1968 wieder selbstbewusster wurden.

Ergebnisse

Gründe für diese Entwicklung gibt es viele: "Das Selbstvertrauen von Frauen hängt vom sozialen Status und der Rolle der Frau in der Gesellschaft ab", betont Jean M. Twenge. Zwei ihrer Indikatoren bei den Untersuchungen waren der durchschnittliche Bildungsabschluss der Frauen sowie das Alter bei der (ersten) Eheschließung. So heiratete die Durchschnittsfrau in den 40ern mit 21,5 Jahren, im Jahr 1956 mit 20,1 Jahren, wohingegen das mittlere Heiratsalter für Frauen 1993 bei 24,5 Jahren lag. Der Anteil promovierter Frauen sank von 15 Prozent im Jahr 1930 auf neun Prozent 1955. 1993 waren unter den Promovierten immerhin 37 Prozent.

Zeitgeist und Medien

Als Gründe für diese Verlaufskurve nennt Twenge u.a. die Erwartungen der Eltern an die Mädchen, aber auch das von den Medien zur jeweiligen Zeit verbreitete Frauenbild. Die starken und intelligenten Frauen der 30er und 40er Jahre mussten nach dem zweiten Weltkrieg den Heimchen am Herd-Frauentyp weichen. Erst mit Anfang der 70er-Jahre hielt das Frauenbild von der gleichberechtigten, starken Frau (wieder) Einzug in die Medien.

Dass das Engagement von Mädchen und Frauen beim Sport im Lauf der Jahrzehnte um ca. 800 Prozent gestiegen ist, wertet Twenge als positives Zeichen. Trotzdem gelte kein Grund zur Entwarnung: "Die Geschichte hat uns gezeigt, dass gesellschaftliche Entwicklungen gestoppt und sogar umgedreht werden können", mahnt die Psychologin. (red)

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