IG Freies Theater alarmiert über Budgetpläne

18. Jänner 2002, 14:27
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Anlass ist die "15-Prozent-Sperre" sämtlicher Subventionen im Grazer Kulturbereich

Graz - Alarm hinsichtlich einer drohenden Finanzkrise in der freien Grazer Szene schlägt die Interessensgemeinschaft Freies Theater. Anlass ist die so genannte 15-Prozent-Sperre sämtlicher Subventionen im Grazer Kulturbereich, wobei es sich die Stadt Graz vorbehält, 15 Prozent der zugesagten Subventionen zurückzubehalten und - je nach Finanzsituation der Stadt - gegen Ende des Jahres eventuell auch nicht auszuzahlen. "Aus unserer Sicht bedeutet die Kürzung in diesem Bereich eine sukzessive Austrocknung der Freien Szene", so der Vorstand der "IG Freies Theater - Das andere Theater" am Freitag.

"Aushungern nicht zu befürchten"

Erst vor wenigen Tagen hat ein Sprecher von Kulturstadtrat Siegfried Nagl gemeint, dass "ein Aushungern der Freien Szene" durch die 15-Prozent-Sperre "nicht zu befürchten" sei. Nun fordert die IG den Grazer Kulturstadtrat auf, von der 15-prozentigen Kürzung Abstand zu nehmen und verbindliche Finanzierungszusagen zu machen. "Die Kulturinstitutionen können, wenn sie seriös sind, die 15 Prozent nicht in ihr Jahresbudget einberechnen. De facto müssen sie jetzt also mit 85 Prozent der Subventionssummen, die im besten Fall gleich hoch sind wie im letzten Jahr, rechnen", erklärte die Geschäftsführerin der IG, Andres Dörres. "Die Kürzung bzw. das Gleichbleiben der Subventionssummen bedeutet, dass Entwicklungen auf diesem Sektor gestoppt werden", so Dörres. Nach der momentanen Einschätzung werde die "Einsparungsmaßnahme" Kündigungen von Personal in den Theaterbetrieben mit sich bringen: "15 Prozent weniger an Subventionen bedeuten eine Person weniger je Betrieb", so die IG.

Frage nach Mittel-Verwendung

Verschärfend käme für viele freie Theatergruppen, die über keine eigene Veranstaltungsstätte verfügen, hinzu, dass seit dem 1. Jänner dieses Jahres der Vertrag mit dem "Theatro" als Spielstätte gekündigt wurde. Im "Theatro", das die Stadt Graz angemietet hatte, konnten sich die Gruppen für eine Tagesmiete von rund 95 Euro (1.300 Schilling) pro Tag einquartieren. "Ersatz-Spielstätten kosten ein Vielfaches.", so Dörres. "Im 'Grazer Festspielhaus' (vormals Arena) beispielsweise 12.000 Schilling (872 Euro) pro Tag oder im "Theater im Palais" 6.500 Schilling (472 Euro) für vier Stunden", so die IG-Sprecherin. "Wir würden auch einmal gerne wissen, wofür die bisher für die Anmietung und Verwaltung des "Theatro" investierten Mittel verwendet werden", so Dörres.

Der Verein "Das andere Theater" wurde im Dezember 1999 von Freien Grazer Theaterschaffenden gegründet. Das Ziel des Vereines ist die Förderung des nichtinstitutionalisierten Theaters in der Steiermark. Derzeit hat der Verein 25 Mitglieder. Im Vorstand der IG finden sich Vertreter des "Theater im Bahnhof", des Mezzanin-Theaters und des Theater Asou. (APA)

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