Afghanistan kann auf beträchtliche Hilfen hoffen

18. Jänner 2002, 14:15
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Internationale Gemeinschaft berät bei Geberkonferenz in Japan über Wiederaufbau

Tokio/Berlin/Wien - Afghanistan kann bei der Geberkonferenz in Japan auf beträchtliche Hilfszusagen der internationalen Gemeinschaft hoffen. Vertreter von mehr als 50 Ländern wollen in Tokio am Montag und Dienstag zusammen mit der Weltbank, dem UNO-Entwicklungsprogramm UNDP und der Asiatischen Entwicklungsbank über einen umfassenden Wiederaufbauplan beraten. Die deutsche Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul teilte am Freitag in Berlin mit, bei der Konferenz sollten auch die einzelnen Verantwortlichkeiten festgelegt werden.

Insgesamt werden nach jüngsten Schätzungen für den Wiederaufbau Afghanistans in den nächsten zehn Jahren rund 15 Milliarden Dollar (16,8 Mrd Euro) benötigt, davon ein Drittel in den kommenden zweieinhalb Jahren. Weltbankpräsident James Wolfensohn appellierte die Großzügigkeit der internationalen Gemeinschaft. "Ein Dollar heute ist später zehn Dollar wert", sagte er in Washington. Afghanistan sei politisch bedeutend. "Dies ist kein beliebiges Land."

82 Millionen Euro von Deutschland

Deutschland ist nach den Worten von Wieczorek-Zeul bereit, einen "substanziellen Beitrag" zum Wiederaufbau für das nach mehr als 20 Jahre Krieg und drei Jahre Dürre am Boden liegende Land zu leisten und auch langfristige Unterstützung zu gewähren. Deutschland hat den Angaben zufolge im vergangenen Jahr 50 Millionen Euro an humanitärer und Nothilfe geleistet. In diesem Jahr stellt Berlin für den Wiederaufbau 82 Millionen Euro zur Verfügung.

Der EU-Sonderbeauftragte für Afghanistan, Klaus-Peter Klaiber, geht davon aus, dass die Europäischen Union viel Geld für Afghanistan bereitstellen wird. Bei der Verteilung der Hilfsgelder gebe es ein "ungeheures Koordinierungs-Problem", sagte er dem "Tagesspiegel".

Zwölf Millionen Euro von Österreich

Außenministerin Benita Ferrero-Waldner (V) hatte am Mittwoch anlässlich des Besuchs des deutschen Außenministers Joschka Fischer erklärt, Österreich werde zwölf Millionen Euro zum Wiederaufbau Afghanistans beisteuern. Sie selbst werde diesen Beitrag bei der Konferenz in Tokio anbieten. Ferrero-Walnder möchte sich insbesondere dafür einsetzen, dass die österreichischen Mittel in erster Linie zur Unterstützung von Frauen, sowie zur Räumung von Landminen verwendet werden.

Die EU wird nach Angaben des SPÖ-Europaabgeordneten Herbert Bösch über die nächsten fünf Jahre nach einem Vorschlag der EU-Kommission für den Wiederaufbau Afghanistans 2,5 Mrd. Euro anbieten. Österreich werde aufgerufen sein, etwa 2,5 Prozent des Betrags, das sind 62,5 Mill. Euro, beizusteuern, rechnete Bösch vor.

USA wird mit "bedeutenden Beitrag" helfen

Auch US-Außenminister Colin Powell sicherte umfangreiche und dauerhafte Hilfe zu. Die USA wollten einen "bedeutenden Beitrag" leisten, um beispielsweise das Gesundheits- und Bildungssystem wieder aufzubauen, sagte Powell am Donnerstag in Kabul. Der Chef der afghanischen Übergangsregierung, Hamid Karsai, versprach im Gegenzug, seine Beamten wollten mit aller Schärfe gegen Korruption vorgehen.

An der zweitägigen Konferenz in Tokio unter dem gemeinsamen Vorsitz von Japan, der USA, der EU und Saudiarabien wollen unter anderem UNO-Generalsekretär Kofi Annan, Powell und der für Außenbeziehungen zuständige EU-Kommissar Chris Patten teilnehmen. (APA/dpa)

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