Serbischer Ex-Präsident Stambolic soll in Brücke eingemauert sein

18. Jänner 2002, 13:21
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Geflüchteter serbischer Journalist will von Mord im Auftrag von Milosevic wissen

Helsinki - Der in Finnland lebende Belgrader Journalist Zoran Topencarevic (37) hat dort mit Informationen über die Ermordung des ehemaligen serbischen Präsidenten Ivan Stambolic für eine Sensation gesorgt. Er behauptet zu wissen, wo sich der seit August 2000 verschwundene serbische Ex-Präsident Stambolic befindet: Im Auftrag von Ex-Präsident Slobodan Milosevic ermordet, sei die Leiche von Stambolic in den Resten der Brücke von Novi Sad eingemauert worden, so der Journalist, der in Finnland politisches Asyl beantragt hat.

Die renommierte finnische Tageszeitung "Helsingin Sanomat" berichtete in dieser Woche in großer Aufmachung über die Aussagen des geflüchteten serbischen Journalisten. Stambolic wurde, als noch Ex-Präsident Milosevic an der Macht war, am 25. August 2000 in Belgrad beim Joggen zum letzten Mal gesehen. Topencarevic ist ein enger Freund und Mitarbeiter des Chefredakteurs von "Dnevni Telegraf", Slavko Curuvija, der am 11. April 1999 vor seiner Haustür in Belgrad erschossen wurde. Topencarevic beruft sich auf Geheimpolizeiquellen.

Befehl von Milosevic

Laut seiner Aussage sei Stambolic von der Sicherheitspolizei entführt, sieben bis acht Tage gefangen gehalten und dann umgebracht worden. Der Befehl soll direkt von Slobodan Milosevic gekommen sein. Stambolics Leiche sei aus Belgrad weggeschafft und in den Resten der alten Brücke von Novi Sad versteckt worden. Die Brücke wurde bei der NATO-Militäraktion zerstört, nur ein Rest des südseitigen Senkkastens mit einem Raketenloch in der Mitte blieb stehen. Die Leiche des Ex-Präsidenten sei dort hinein geworfen und mit zwei LKW-Ladungen Steinen zugeschüttet worden. Dann sei eine neue Betondecke darüber gegossen worden, berichtete der Journalist.

Topencarevic ist der erste, der genaue Angaben über das Verschwinden und das spätere Schicksal von Stambolic macht. Jedenfalls schenken die finnische Botschaft in Belgrad und "Helsingin Sanomat" seinen Informationen Glauben. (APA)

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