"Doppelte" Euro-Bücherpreise sorgen für Verwirrung

18. Jänner 2002, 13:57
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Unterschiedliche Mehrwertsteuern in Deutschland und Österreich verursachen Verwirrung

Wien - "Ein Buch, auf der Vorderseite groß um 10 Euro angepriesen, kostet an der Kassa 10,30", alteriert sich ein Bücherwurm auf der Internet-Beschwerdeseite der Arbeiterkammer. Trotz der Erklärung des Geschäftsführers, das sei der deutsche Preis, hinten finde sich "der richtige", fühlt er sich betrogen und ruft nach den Konsumentenschützern. Bei Amazon geht es dem in Österreich beheimateten Besteller ähnlich: ein Buch, das in dem Online-Laden mit 9,90 Euro oder 19,90 DM ausgepreist ist, findet sich im Warenkorb plötzlich mit 10,18 Euro wieder. Der Grund ist in beiden Fällen der gleiche: In Österreich wird auf Bücher 10 Prozent Umsatzsteuer verrechnet, in Deutschland sind es nur 7 Prozent.

Amazon wird ab Montag auf der Startseite einen Hinweis für Österreichsiche Kunden ("Achtung - Kunden in Österreich! Die angezeigten Europreise (Hyperlink) enthalten die deutsche Mehrwertsteuer. Mehr dazu hier. (Hyperlink)" einblenden, kündigt Amazon-Pressesprecherin Christine Höger im Gespräch mit der APA an.

Seit November 2000 hat die deutsche Tochter des US-Online-Riesen auch eine Website www.amazon.at mit speziellem redaktionellem Angebot (Buch, Musik, Video, DVD) für Kunden in Österreich eingerichtet - an den ausgewiesenen Buchpreisen änderte das bisher aber nichts. Im September gab es laut Unternehmensangaben bereits 200.000 Amazon-Kunden in Österreich, etwa doppelt so viele wie im 3. Quartal 2000.

"Verwirrung" im klassischen Buchhandel

Im klassischen Buchhandel geht die "Verwirrung" in einigen Fällen noch weiter: Bei älteren Büchern sind die Preise in den EDV-Systemen oft zwar völlig korrekt vom früheren Schilling auf die neuen Euro-Preise umgerechnet, stimmen aber dennoch nicht. "Die Verlage haben mittlerweile auf neue runde Euro-Preise umgestellt und viele Preise gesenkt, wir haben das aber in unserem System noch nicht bei allen Büchern geschafft", erläutert Erich Schober, Sortiments-Leiter beim Wiener Großbuchhändler-Morawa. Sollte ein Buch jedoch tatsächlich bestellt und gekauft werden, würde aber spätestens an der Kasse der korrekte Preis verrechnet.

Morawa-Geschäftsführer Gerald Schantin versteht die Aufregung um die unterschiedlichen Buchpreise zwischen Österreich und Deutschland nicht. "Wir haben eine Währungsunion und keine Preisunion", so Schantin. Er hofft, dass der deutsche Mehrwertsteuersatz auf Bücher in den nächsten Jahren auf 9 Prozent angehoben wird. Der österreichische Buchhandel sei jedenfalls nicht in der Lage, die derzeitige Differenz aus den unterschiedlichen Steuersätzen zu schlucken.

Seit Österreich ein eigenes Buchpreisgesetz hat, sei der Spielraum für die Buchhändler bei der Preisfestsetzung zwar größer geworden, werde aber weiter kaum genützt. Das Gesetz schreibt vor, dass der Nettopreis (ohne Steuer) nicht unter dem deutschen Nettopreis liegen darf. Die Preise setzen die Importeure fest, dazu kommen 10 Prozent Umsatzsteuer. Auf diesen Preis darf der Buchhändler bis zu 5 Prozent Rabatt geben, dies aber nicht bewerben. Aufschläge sind zwar theoretisch möglich, finden in der Realität aber kaum statt. (APA)

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