Enron: Wirtschaftsprüfer Andersen gefeuert

18. Jänner 2002, 12:44
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Zweifel an Beratung bei Bilanzierung

Washington - Der zusammengebrochene US-Energiekonzern Enron hat sich von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Arthur Andersen getrennt. Hintergrund sind Anzeichen, dass die Prüfer trotz Zweifel an den Bilanzpraktiken des Konzerns nicht aktiv wurden. Enron-Anwalt Robert Bennett sagte am Donnerstagabend, das Unternehmen mache sich Gedanken wegen der Bilanzberatung.

Schulden fehlten in Bilanzen

Enron hatte im November vergangenen Jahres eingeräumt, dass der Gewinn in den vergangenen vier Jahren um rund 20 Prozent zu hoch angegeben worden war und ein Großteil der Schulden von 15 Milliarden Dollar (17,04 Milliarden Euro) nicht in den Bilanzen ausgewiesen wurde.

Aus Unterlagen der Wirtschaftsprüfer, die einem Untersuchungsauschusses des US-Kongresses vorliegen, geht hervor, dass Arthur Andersen bereits vor knapp einem Jahr Zweifel an der Bilanzierungspraxis des Unternehmens gehabt hatte. Nach einem anderen Dokument wurden die Wirtschaftprüfer im August 2001 von einer Mitarbeiterin aus dem Enron-Finanzbereich über ihre Bedenken informiert.

Unterlagen vernichtet

Nachdem bekannt geworden war, dass Andersen-Mitarbeiter Unterlagen im großen Stil vernichtet hatten, entließ das Wirtschaftsprüfungsunternehmen seinen Mitarbeiter David Duncan, der für die Prüfung der Enron-Bücher zuständig war. Andersen hatte erklärt, Duncan habe die Vernichtung von Unterlagen organisiert.

Die engen Verbindungen zu Enron könnten auch US-Präsident George W. Bush in Bedrängnis bringen. So hatte der Präsident des Unternehmens, Lawrence Whalley, im Finanzministerium um Hilfe bei den Verhandlungen mit den Banken gebeten. Enron gehörte zu den größten Geldgebern für den Präsidentschaftswahlkampf Bushs. Enron, einst das siebtgrößte Unternehmen der USA, meldete am 2. Dezember Konkurs an, nachdem Übernahmeverhandlungen mit Dynegy gescheitert waren. (APA)

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