Erbarmungsloses Ende für die Schilling-Noten

18. Jänner 2002, 11:33
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Aus 142 Milliarden Schilling werden Schredder und Schnippsel

Wien - Das Finale ist erbarmungslos: Die Stahlräder der Schredderanlage mahlen gründlich - Banknoten in Milliardenwert verwandeln sich binnen kürzester Zeit in fast staubfeine Schnipsel. Das war's mit dem Schilling. Wenig mehr als zwei Wochen nach der Euroeinführung läuft der Betrieb in der Geldservice Austria (GSA), für das Cash-Handling zuständige Nationalbank-Tochter, auf Hochtouren. Von den 142 Milliarden Schilling (10,32 Mrd. Euro), die zum Jahreswechsel in Österreich in Umlauf waren, sind mittlerweile 40 Milliarden vernichtet worden.

Doch nicht die Schredderung ist die Hauptarbeitsbelastung für die GSA-Mitarbeiter: Die Banknoten müssen vor ihrer endgültigen Vernichtung ausgezählt und mit den mitgelieferten Belegen verglichen werden - Sack für Sack, Stück für Stück. Die Firma fährt Sonderschichten, gearbeitet wird derzeit auch samstags, fallweise sogar an Sonntagen.

Buchstäblich zugeschüttet

Der Schilling-Rücklauf hat mit viel größerer Vehemenz eingesetzt, als ursprünglich angenommen worden war. "Unser bisher stärkster Tag war der 4. Jänner. Da haben uns die Transportfahrzeuge des Sicherheitsunternehmens, das die Banknoten von den Geldinstituten zu uns bringt, buchstäblich fast zugeschüttet", sagt GSA-Bereichsleiter Hubert Haunold.

In der GSA in Wien landet rund die Hälfte der alten Schillingbanknoten. Der Rest verteilt sich auf die so genannten Cash-Centers in den Landeshauptstädten und wird dort gezählt und vernichtet.

Dämmmaterial

Laut Haunold soll der Schilling-Rücklauf bereits am 28. Februar, dem letzten Tag der dualen Phase, abgeschlossen sein. Wenn alle 142 Milliarden Schilling vernichtet sind, kann gefeiert werden. Die Konterfeis von Moritz Daffinger, Sigmund Freud, Karl Landsteiner und Co tun künftig auf anderen Gebieten Gutes: Die geschredderten Banknoten enden in der Fernwärme oder als Dämmmaterial. (APA, red, DER STANDARD, Printausgabe 18.1.2002)

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