Traum von der "City Tram"

18. Jänner 2002, 20:37
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Diskussion um Verbindung Dornbach - Wienerberg: Neue Straßenbahnpläne

Wien - Dass etwas geschehen muss, bestreitet niemand: Wenn am Wienerberg neben den Bürotürmen auch noch Wohnbauten für 3500 Menschen errichtet werden, muss der neue Stadtteil mit öffentlichen Verkehrsmitteln besser erschlossen werden. Offen ist nur, in welcher Form, wie schnell und wie teuer das neue Verkehrsmittel zu den neuen Büro- und Wohntürmen kommt. Die ÖVP hatte kürzlich gefordert, eine neue Linie U5 von Dornbach über die City zum Wienerberg zu errichten. Planungsstadtrat Rudolf Schicker (SP) erklärte dazu, dies werde bereits als mögliche Option diskutiert - aber auch ein Cable-Liner oder eine Schnellstraßenbahn seien möglich.

Billiger und kundenfreundlicher

Genau auf diesen Zug sprang am Freitag der grüne Klubobmann Christoph Chorherr auf - und präsentierte seine Vorstellungen von einer neuen "City-Tram" mit den Schlagworten "billiger, rascher, kundenfreundlicher und schlauer".

Demnach sollten die Straßenbahnlinien aus dem Westen Wiens - also 37, 38, 40, 41 und 42 - nicht mehr am Schottentor enden, sondern durch einen rund zwei Kilometer langen neuen Tunnel zum Karlsplatz und dann weiter über die 65-er-Strecke zum Wienerberg geführt werden. Ein zweiter Ast könne auch zum 71-er in Richtung Simmering geführt werden.

Beim neuen Tunnel in der Innenstadt sollten zwei neue Stationen errichtet werden - in der Herrengasse (U3) und bei der Albertina. Dieser "Lückenschluss" solle "U-Bahn-artig" ausgebaut werden und erspare vor allem auch das lästige Umsteigen.

Dies würde nur ein Fünftel der geschätzten U5-Kosten von rund 1,09 Milliarden Euro (15 Mrd. S) ausmachen und könne schon 2006 fertig sein - "und nicht erst frühestens 2015", betonte Chorherr.

Trotzdem zu teuer

Reaktion vom Büro Stadtrat Schicker: Die Idee einer "Unterflurstraßenbahn" (Ustraba) sei nicht neu; man habe sich dann für die U-Bahn entschieden. Und die City sei ohnehin gut mit U-Bahnen versorgt.

Dem Verein Fahrgast und der Arbeitsgemeinschaft Verkehrspolitik ist selbst dieser Chorherr-Vorschlag zu teuer: Sie fordern im Sinne der Umsteige-Minimierung einen sofortigen Lückenschluss der Linien 71 und J oder 43. Und: Bei einer Tunnel-Bündelung könnten die dichten Intervalle der westlichen "Bim"-Linien nicht gehalten werden. (frei/DER STANDARD, Printausgabe 19./20.01.2002)

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