Viel essen bei Virus-Erkältung - Hungern bei bakteriellem Infekt

18. Jänner 2002, 11:13
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Dafür gibt es nun die wissenschaftliche Bestätigung

London - Bei einer Virus-Erkältung viel essen und bei einem bakteriellen fiebrigen Infekt hungern - für die Wirkung dieses seltsamen Hausrezeptes haben niederländische Mediziner jetzt erstmals eine wissenschaftliche Bestätigung gefunden. Eine reichhaltige Mahlzeit stärkt demnach jene Abwehrkräfte, die die für Erkältungen verantwortlichen Viren angreifen und zerstören. Fasten dagegen stimuliert die Immunantwort auf bakterielle Infektionen, die häufig Fieber auslösen, wie die Fachzeitschrift "New Scientist" berichtet.

"Nach unserem Wissen ist es das erste Mal, dass solch eine direkte Wirkung des Essverhaltens nachgewiesen wurde", sagte Gijs van den Brink vom akademischen Medizinzentrum in Amsterdam. Der Wissenschafter war mit seinen Kollegen auf diesen Zusammenhang eher durch Zufall gestoßen: Die Mediziner hatten sich bei einem Weihnachtsessen Blutproben entnehmen lassen, um zu überprüfen, ob der Alkohol in irgendeiner Form das Immunsystem beeinflusst.

Alkohol hat keine Auswirkung

Zu ihrer Überraschung stellten die Forscher aber fest, dass der Alkohol überhaupt keine Auswirkungen auf die Abwehrkräfte hat, wohl aber das Essen. Die Wissenschafter überprüften ihre Erkenntnisse in einer Studie: Die Testpersonen nahmen an einem Tag auf nüchternen Magen Flüssigkeitsnahrung zu sich, an einem anderen Tag dagegen nur Wasser. Das Ergebnis war beeindruckend: Sechs Stunden nach der Mahlzeit hatten sich die Gamma-Interferon-Spiegel im Blut der Patienten mehr als vervierfacht. Gamma-Interferon zeigt die Immunantwort an, mit der so genannte T-Zellen all jene Zellen angreift, in die Krankheitserreger eingedrungen sind.

"Diese Immunantwort richtet sich hauptsächlich gegen Virus-Infektionen. Und sie scheint durch Essen stimuliert zu werden", berichtete van den Brink. Wenn die Testpersonen nur Wasser tranken, sank dagegen der Gamma-Interferon-Spiegel. Zugleich vervierfachte sich aber fast der Interleukin-4-Spiegel. Dieser Botenstoff zeigt eine Immunantwort an, bei der so genannte B-Zellen Antikörper produzieren. Diese richten sich vor allem gegen bakterielle Krankheitserreger.

Van den Brink hält weitere Studien für notwendig, um diesen Befund zu bestätigen. Es wäre ausgesprochen sinnvoll, exakt herauszufinden, welches Ernährungsverhalten die unterschiedlichen Immunantworten auf Infektionen hervorrufe, sagte der Wissenschafter. (APA/AP)

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