Prozesskosten schmälern Microsofts Gewinn

18. Jänner 2002, 21:27
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"Außerordentlich gute" Verkaufszahlen von Windows XP

Der weltgrößte Softwarekonzern Microsoft hat im abgelaufenen Quartal vor allem wegen hoher Prozesskosten weniger verdient, aber seinen Umsatz überraschend deutlich gesteigert. Von Oktober bis Dezember 2001 sei der Nettogewinn im Jahresvergleich um rund 13 Prozent auf 2,28 Milliarden Dollar oder 41 Cent je Aktie gesunken, teilte das Unternehmen am Donnerstag nach Börsenschluss mit. Damit verfehlte der Konzern die Analystenprognosen knapp, lag aber am unteren Rand der eigenen Erwartungen. In vielen Absatzmärkten stehe eine konjunkturelle Erholung noch aus, erklärte Finanzchef John Connors. Dennoch sei der Umsatz vor allem wegen der "außerordentlich guten" Verkaufszahlen des neuen Betriebssystems Windows XP um 18 Prozent gestiegen. Microsoft-Aktien verloren nachbörslich etwas.

Gerichtliches

Die rund 660 Millionen Dollar Belastungen aus Gerichtsverfahren hätten das Microsoft-Ergebnis um acht Cent je Aktie belastet, hieß es weiter. In den USA läuft seit Jahren ein Kartellverfahren gegen den Softwarekonzern. Die US-Regierung und einige US-Bundesstaaten werfen Microsoft vor, sein Monopol bei PC-Betriebssystemen illegal aufrechtzuerhalten. Ohne die Prozesskosten hätte der Gewinn den Angaben zufolge knapp drei Milliarden Dollar betragen. Zudem seien erwartete Einnahmen ausgeblieben, nachdem sich der geplante Verkauf des Microsoft-Anteils am Online-Reiseunternehmen Expedia an USA Networks verzögert habe. Von dem Verkauf verspricht sich Microsoft einen positiven Ergebnisbeitrag von acht Cent je Aktie. Für das laufende Quartal rechnet der Software-Konzern mit einem operativen Gewinn von 2,8 bis 2,9 Milliarden Dollar oder 50 bis 51 Cent je Aktie.

"Die Zahlen sind etwas enttäuschend"

Einige Analysten äußerten sich in ersten Reaktionen eher negativ über die Ergebnisentwicklung. "Die Zahlen sind etwas enttäuschend", sagte etwa Brendan Barnicle von Pacific Crest. Andere Experten wiesen aber darauf hin, dass der Gewinn ohne die Sonderposten durchaus beachtlich sei. Einig waren sich die Analysten darin, dass der Umsatz angesichts der trüben Konjunkturlage überraschend stark gestiegen sei. Der Umsatz kletterte den Angaben zufolge auf rund 7,8 Milliarden Dollar nach 6,5 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. Damit übertraf das Unternehmen seine Erwartungen um rund zehn Prozent.

Umsatz gestützt

Besonders der starke Absatz des Ende Oktober auf den Markt gebrachten Betriebssystems Windows XP habe den Umsatz gestützt, hieß es von Microsoft weiter. Microsoft verkaufte das neue System nach eigenen Angaben weltweit 17 Millionen Mal. Auch die Video-Spielekonsole Xbox habe mit einem weltweiten Absatz von 1,5 Millionen Stück seit der Markteinführung Anfang November die Erwartungen erfüllt, sagte Finanzchef Connors. Die Geschäftsentwicklung im abgelaufenen Quartal sei daher äußerst zufrieden stellend. "Doch wir sind besorgt über die Verfassung der Weltwirtschaft. In den meisten der weltweit größten Märkten steht eine Erholung erst noch bevor", fügte er hinzu. (Reuters)

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