Bushs Wirtschaftsberater war Konsulent von Skandal-Konzern Enron

18. Jänner 2002, 10:12
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Präsidentensprecher sieht keinen Interessenskonflikt bei Lindsey

Washington - In der Affäre um den Bankrott des Energiekonzerns Enron werden jetzt von US-Medien immer neue Verbindungen zur Politik aufgedeckt. Der Vorsitzende des Wirtschaftsbeirats im US-Präsidialamt, Lawrence B. Lindsey, war vor seiner Berufung durch Präsident George W. Bush als Mitglied eines Beratungsgremiums von Enron tätig und hatte dafür im Jahr 2000 50.000 Dollar (56.709 Euro) erhalten, berichtet die "New York Times". Im Oktober des vergangenen Jahres hatte Lindsey eine Untersuchung über die möglichen Auswirkungen der sich abzeichnenden Enron-Krise auf die US-Wirtschaft geleitet.

Lindsey habe damals keine besonders großen Belastungen für die US-Wirtschaft durch den schwankenden Energieriesen erwartet. Der Zusammenbruch der Gesellschaft im Dezember war die größte Unternehmenspleite der US-Wirtschaftsgeschichte.

Nach Angaben von Präsidentensprecher Ari Fleischer habe bei Lindsey kein Interessenskonflikt bestanden. Eine Sprecherin der Demokraten, Jennifer Palmieri, kritisierte hingegen, so kurz nach seiner Tätigkeit für das Unternehmen hätte Lindsey die Enron-Krise nicht für die US-Regierung analysieren sollen. In einer Gerichtsakte im Zusammenhang mit dem Enron-Bankrott wird Lindsey als "Gläubiger" aufgeführt.

Auch andere prominente Mitglieder der Bush-Administration haben laut "NYT" enge Verbindungen zu Enron. So scheine der US-Handelsbeauftragte Robert Zoellick ebenfalls im Jahr 2000 als Mitglied in einem Enron-Beratungsgremium auf. Nach Angaben des "NYT"-Kolumnisten Paul Krugman hatte dieses Gremium keinerlei Funktion. Krugman war dort selber im Jahr 1999 für 50.000 Dollar als Enron-Berater engagiert. (APA)

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