Berlusconi schenkte Prostituierten 5000 Euro

18. Jänner 2002, 11:46
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Prostituierten-Gewerkschaft: "Auch nur ein Mann, der sie bezahlt"

Rom - Der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi hat am Donnerstag zwei ehemaligen Prostituierten, die unter der Obhut einer kirchlichen Organisation stehen, jeweils 2.500 Euro geschenkt. Berlusconi überreichte ihnen einen Scheck anlässlich eines Treffens mit dem Priester Oreste Benzi, der die Organisation zur Rettung ausländischer Straßenmädchen leitet. "Berlusconi war über die tragische Geschichte der beiden Mädchen, einer minderjährigen Albanerin und einer Bulgarin, zutiefst berührt. Sie wurden im Alter von 14 Jahren entführt und nach Italien gebracht, wo sie zu Sklavinnen gemacht wurden", berichtete Benzi. "Ich habe selber zwei Töchter", sagte der Ministerpräsident.

Benzi wurde am Donnerstag in Begleitung der beiden Mädchen in Berlusconis Wohnung in Rom empfangen, weil er dem Ministerpräsidenten seine Vorschläge zur Bekämpfung der Straßenprostitution vorlegen wollte. Berlusconi hatte sich kürzlich für eine Wiedereröffnung der Freudenhäuser als Maßnahme gegen die ausufernde Prostitution auf den italienischen Strassen ausgesprochen, was vor allem in katholischen und feministischen Kreisen Empörung ausgelöst hatte. Benzi plädierte für scharfe Maßnahmen gegen Kunden, die die eigentlichen Ausbeuter der fast 50.000 Mädchen, mehrheitlich aus Afrika und Osteuropa, seien.

Das "Geschenk" Berlusconis an die beiden Mädchen löste bei Carla Corso Entrüstung aus, die den ersten Gewerkschaftsverband der italienischen Prostituierten führt. "Berlusconi ist ein Operetten-Pygmalion. Mit diesem Geld hat er die beiden Mädchen wieder gedemütigt, er ist wieder ein Mann, der sie bezahlt. Er hätte ihnen eine Aufenthaltsgenehmigung in Italien, eine Arbeit oder ein Zuhause sichern sollen", sagte Corso. (APA)

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