Bosnische Behörden übergeben USA sechs Araber

18. Jänner 2002, 09:44
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Höchtsgerichtliche Anordnung ignoriert - Protestaktion in Sarajewo gewaltsam aufgelöst

Sarajewo - Die Behörden von Bosnien-Herzegowina haben den US-Streitkräften fünf unter Terrorverdacht stehende Ex-Algerier und einen Jemeniten, die zum Teil vor Jahren die bosnisch-herzegowinische Staatsbürgerschaft erworben hatten, übergeben. Ein Sprecher des Stuttgarter US-Militärhauptquartiers für Europa teilte am Freitag mit, die mutmaßlichen Sympathisanten algerischer und ägyptischer moslemischer Untergrundorganisationen seien in der Obhut der Streitkräfte. Die Behörden in Sarajewo ignorierten damit eine Anordnung des Obersten Gerichts von Bosnien-Herzegowina, das am Donnerstag aus Mangel an Beweisen die Haftentlassung der Männer angeordnet hatte.

Die Männer waren im Oktober vergangenen Jahres festgenommen worden. Nach Gerüchten einer bevorstehenden Auslieferung hatten sich am Donnerstagabend rund 300 Angehörige und Freunde vor dem Gefängnis versammelt. Bevor die Häftlinge am Freitagmorgen abtransportiert wurden, setzte die Polizei den Schlagstock ein, um den Polizeifahrzeugen den Weg frei zu machen. Den Algeriern werden Verbindungen zur "Bewaffneten Islamischen Gruppe" (GIA) in Algerien und der ägyptischen Gamaa al Islamiya vorgeworfen. Einer von ihnen soll nach ausländischen Geheimdienstberichten mit einem Berater von Osama bin Laden telefoniert haben. Die Ex-Algerier sollen auf den US-Stützpunkt Guantanamo auf Kuba gebracht werden.

Nach der Verfügung des Höchstgerichts sollten die sechs Männer sofort freigelassen werden, wie ihr Anwalt in Sarajewo erklärte. Ihm sei jedoch der Kontakt zu seinen Mandanten verweigert worden. Im Dezember waren im Kosovo arabische Mitarbeiter einer in den USA ansässigen pro-islamischen Hilfsorganisation festgenommen worden. Auch die Polizei der bosniakisch-kroatischen Föderation in Bosnien-Herzegowina ist wiederholt gegen Büros von islamischen Hilfsorganisationen in Sarajewo wegen möglicher Verstrickung in terroristische Aktivitäten vorgegangen. (APA/AP/dpa)

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