Weltsensation am Wiener AKH: Punktgenaue Stammzell-Therapie

18. Jänner 2002, 17:00
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Per 3D-Katheter "Reparatur-Zellen" ohne Operation in Infarktareal injiziert

Wien - Weltsensation durch die Kooperation von Kardiologen und Chirurgen an den Universitätskliniken am Wiener AKH: Jetzt wurden erstmals einem Patienten nach einem schweren Herzinfarkt von ihm selbst gewonnene Stammzellen zur Regeneration des Herzens ohne chirurgischem Eingriff per 3D-Katheter exakt in das kranke Muskelareal des Organs injiziert. Das teilte das Wiener AKH mit.

"Stammzellen aus dem Knochenmark sind auch beim Erwachsenen mit der Fähigkeit ausgestattet, neue Gefäß- und Herzmuskelzellen zu bilden. Experimentelle Ergebnisse der letzten Zeit legen nahe, dass die selektive (zielgerichtete, Anm.) Injektion von Stammzellen in die Randzone eines Herzinfarkts zu einer Regeneration des verloren gegangenen Herzmuskels führt", hieß es in einer Erklärung der Direktion des Wiener AKH unter Univ.-Prof. Dr. Reinhard Krepler. - Verantwortlich zeichnete Univ.-Prof. Dr. Gerald Maurer, Vorstand der Universitätsklinik für Innere Medizin II (Kardiologie).

Das medizinisch "aufregende", gleichzeitig mit wissenschaftlicher Akribie durchgeführte Projekt: Im Oktober vergangenen Jahres hat eine chirurgische Arbeitsgruppe der Abteilung für Herz-Thoraxchirurgie um Dr. Alfred Kocher, Univ.- Prof Dr Margit Vögele-Kadletz und dem Leiter der Abteilung, Univ.-Prof Dr. Ernst Wolner, bei einer Patientin nach Herzinfarkt im Rahmen einer Bypass-Operation selektiv Stammzellen in den Herzmuskel injiziert. Wolner berichtete kurz vor Weihnachten von vorsichtig optimistisch stimmenden Resultaten.

Jetzt aber wurde an der Universitätsklinik für Innere Medizin II (Kardiolgie), die selbe Behandlung bei einem Patienten ohne "großem Schnitt" durchgeführt: einfach im Herzkatheter-Labor und mit optimaler Zielgenauigkeit durch ein neu entwickeltes 3D-Verfahren.

Der genaue Ablauf des Eingriffs

Die Arbeitsgruppe von der "Kardiologie" unter Univ.- Prof Dr. Dietmar Glogar in Kooperation mit Dr. Markus Dettke von der Klinischen Abteilung für Transfusionsmedizin (Vorstand: Univ.-Prof. Dr. Paul Höcker) und den Chirurgen verabreichten am Dienstag einem 57jährigen Patienten acht Wochen nach einem frischem Vorderwandinfarkt eine Injektion von Herz-Stammzellen direkt in die geschädigten Herzkranzgefäß-Areale am Rande der Infarkt-Randzone. Diese Zellen sollen zu einem Einsprießen von neuen Blutgefäßen und zur Wiederherstellung der Pump-Aktivität des vom Infarkt betroffenen Herzareals führen.

Der Eingriff erfolgte vergleichbar zu einer Herzkatheter-Untersuchung bzw. -Therapie ohne generelle Narkose. Bei der ersten Patientin, die eine Stammzell-Therapie mit der in Wien entwickelten Methode erhielt, war noch eine chirurgische Bypass-Operation mit einem "großen Schnitt" mit der Stammzell-Behandlung kombiniert worden.

Revolutionär ist dieses Mal - nachdem schon die Identifizierung geeigneter Herz-Stammzellen durch Dr. Alfred Kocher von der Abteilung für Herz-Thorax-Chirurgie am Wiener AKH (Abteilungschef: Univ.-Prof. Dr. Ernst Wolner) im vergangenen Jahr samt der Operation in der internationalen Fachwelt für Schlagzeilen gesorgt hatte - die dreidimensional punktgenaue Identifikation des Ziel- und Anwendungsortes für die vom Patienten kurz vor dem Eingriff gewonnenen Stammzellen mit dem Oberflächenmerkmal "CD34 bright/CD117".

"NOGA-Mapping"

Für die exakte Identifizierung des genauen Injektionsgebietes für die Herz-Stammzellen sorgt das vom Weltkonzern Johnson&Johnson entwickelte Medizintechnik-Verfahren "NOGA-Mapping". Das zu behandelnde (infarktgeschädigte, Anm.) Herzmuskelgebiet wird durch sorgfältiges elektromagnetisches Mapping (Kartieruntg) der gesamten linken Herzkammer mit Hilfe des NOGA Systems festgelegt.

Dabei wird die linke Herzkammer durch eine über das Gefäßsystem eingeführte Sonde aus 200 Messpunkten dreidimensional in ihrer elektrischen und mechanischen Aktivität "rekonstruiert". Dabei wird exakt jenes Areal im Herzmuskel vermessen, das von einer Stammzell-Therapie profitieren könnte.

Auf Grund der gewonnenen Messsignale erfolgt im Anschluss daran die gezielte und selektive Injektion der Stammzellen in den Randbereich des Herzinfarkts über eine spezielle, feine NOGA-Injektionsnadel. Bei dem ersten Patienten wurden insgesamt an zwölf Punkten je 500 Mikroliter Stammzellen in das betroffene Herzareal injiziert.

"Der Eingriff verlief komplikationslos", hieß es von Seiten des Wiener AKH. Jetzt muss einige Wochen gewartet werden, bis - nach einer Phase der Rehabilitation - der Erfolg gemessen werden kann: Durch eingehende Untersuchung soll bestimmt werden, ob sich die Pumpfunktion des Herzens verbessert hat. Das gelang bisher bei keiner einzigen Therapie nach einem Infarkt. (APA)

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