US-Behörden veröffentlichen Videos von mutmaßlichen Terroristen

17. Jänner 2002, 23:18
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Ein Band soll in Deutschland gesuchten Binalshibh zeigen

Washington - Die US-Ermittler sind in Afghanistan in den Besitz von Videoaufnahmen gelangt, die fünf mutmaßliche Terroristen zeigen sollen. Justizminister John Ashcroft sagte am Donnerstag in Washington, auf einem der fünf Bänder sei der aus Jemen stammende Ramzi Mohamed Adullah Binalshibh zu sehen, der von den deutschen Behörden mit Haftbefehl gesucht wird. Binalshibh steht im Verdacht, zusammen mit den drei mutmaßlichen Selbstmordattentätern, die zeitweise in Hamburg gelebt hatten, die Anschläge des 11. September vorbereitet zu haben. Er war ebenso wie der mutmaßliche Anführer der Hijacker, Mohammed Atta, in der Hamburger Marienstraße gemeldet.

Ashcroft sagte, er wolle die Videobänder dem deutschen Innenminister Otto Schily (SPD) und anderen deutschen Behörden zur Verfügung stellen. Die Bänder wurden den Angaben zufolge in den Trümmern des Hauses von Mohammed Atef gefunden. Atef galt als rechte Hand des mutmaßlichen Terroristenchefs Osama bin Laden; er war während der US-Luftangriffe getötet worden. Nach der vorläufigen Analyse der Bänder könnten die fünf Männer ausgebildet worden sein, um Selbstmordanschläge zu verüben, sagte Ashcroft. Auf den Bändern gäben sie Erklärungen zu ihrem geplanten Märtyrertod ab. Hinweise auf konkrete geplante Anschläge lieferten die Aufnahmen aber nicht, fügte der US-Justizminister hinzu.

Binalshibh soll auf einen der Bänder zu sehen sein

Ashcroft spielte vor der Presse Aufnahmen von drei der fünf Männer vor. Binalshibh soll auf einem der beiden nicht gezeigten Bänder zu sehen sein. Der Jemenit ist dem US-Justizminister zufolge der einzige der fünf Männer, über den Näheres bekannt ist. Drei weitere konnten demnach zumindest namentlich identifiziert werden: Ihre Namen wurden mit Abd Al-Rahim, Muhammad Sa'id Ali Hasan und Khalid bin Muhammad Al-Juhani angegeben.

Binalshibh hatte nach Angaben der US-Bundespolizei FBI im August oder September vergangenen Jahres mehrfach vergeblich versucht, ein Visum für die USA zu erhalten, um sich an einer Flugschule in Florida ausbilden zu lassen. Danach soll er sich als Helfer der Hijacker aus dem Hintergrund betätigt haben, indem er ihnen Geld aus Deutschland überwies.

Ashcroft äußerte die Hoffnung, dass mit der Veröffentlichung der Aufnahmen Hinweise aus der Bevölkerung weltweit über ihren Aufenthaltsort erlangt werden könnten. Diese Männer könnten "überall in der Welt" sein, sagte er. (APA)

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