Spinnweben aus dem Ziegeneuter

17. Jänner 2002, 20:00
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Reißfester Stoff wird einfach abgemolken - die Gentechnik macht's möglich

Washington - Nach mehr als hundert Jahren fruchtloser Versuche behaupten Forscher nun nah daran zu sein, Spinnenfäden zu produzieren. Ein kanadisches Team setzte die entsprechenden Spinnen-Gene in Säugetierzellen und erntete die produzierten Eiweißstoffe. Aus ihnen sponnen weitere Forscher die Fasern, die einmal künstliche Sehnen, hauchdünne Verbände, kugelsichere Westen und reißfeste, biologisch abbaubare Angelschnüre ergeben sollen. Superelastisch, federleicht und - in Relation zum Gewicht - fünf Mal stärker als Stahl, gilt der Faden, aus dem Spinnen ihr Netz knüpfen, seit langem als "Wunder der Natur".

Auch Hamster produzierten Seide

Anthoula Lazaris und Kollegen von der Firma Nexia Biotechnologies in Vendreull-Dorion (Provinz Quebec, Kanada) beschreiben in "Science", wie sie den Durchbruch geschafft haben wollen. Sie entnahmen Spinnen ein "Seiden"-Gen und setzten es im Labor in Nierenzellen von Babyhamstern sowie in Euterzellen von Kühen. Beide Zelltypen produzierten die gewünschten Proteine in größeren Mengen - und zwar außerhalb der Zellen, wo sie mühelos gewonnen werden konnten.

Ein zweites Team um Steven Arcidiacono vom U.S. Army Soldier Biological Chemical Command in Natick (Massachusetts) half den Kanadiern, diese Proteine zu Seidenfasern zu spinnen. Sie konzentrierten die Moleküle in Wasser und pressten sie durch ein winziges Loch in eine Methanol-Lösung. Die ersten Fasern waren zwar noch härter als Kevlar, aber nur fast so elastisch wie Nylon, also noch nicht ideal. Um ihnen mehr Elastizität zu verleihen, wollen die Biotechnologen als nächstes ein zweites Spinnen-Gen in den Prozess integrieren und die Proteine insgesamt größer machen.

Die vernetzte Ziege

Die endgültige Massenproduktion der Eiweißstoffe dürfte dann im Ziegenstall erfolgen. Die kanadische Firma will die Spinnen-Gene einmal Ziegen ins Euter setzen und hofft darauf, die begehrten Seiden-Proteine en gros aus ihrer Milch zapfen zu können. (APA/dpa)

Vgl. "Science" (Bd. 295, S. 472)
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    montge: derstandard.at
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