Commerzbank im Fokus

17. Jänner 2002, 20:03
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Münchener Rück verdoppelt ihren bisherigen Anteil auf über zehn Prozent

München - Der weltgrößte Rückversicherer Münchener Rück hat überraschend seine Beteiligung an der Commerzbank weiter aufgestockt und damit erneut Spekulationen über die Zukunft der viertgrößten deutschen Bank genährt. An der Frankfurter Bank hält der Rückversicherer nach eigenen Angaben vom Donnerstag mittlerweile 10,4 Prozent.

Nach unbestätigten Informationen war die Münchener Rück zuletzt mit 5,4 Prozent an der als Übernahmekandidat gehandelten Bank beteiligt. Ein Konzernsprecher in München bezeichnete den fast verdoppelten Anteil aber als reine Kapitalanlage. Die Commerzbank, Analysten und ein Investor der Commerzbank-Investorengruppe Cobra vermuten dahinter jedoch auch strategische Überlegungen.

Die Münchener Rück relativierte die Bedeutung der Übernahme weiterer Commerzbank-Anteile: "Kaufen und verkaufen ist ein ganz normaler Vorgang", kommentierte ein Sprecher den Schritt. Der Konzern habe das niedrige Kursniveau der Commerzbank-Aktie als Kaufgelegenheit gesehen. Das Paket habe einen Wert von einer Milliarde Euro, das gesamte Anlageportfolio des Rückversicherers liege demgegenüber bei 160 Milliarden Euro, sagte der Sprecher.

Die Münchener Rück, nun der größte Aktionär der Commerzbank, sehe sich in der Position eines "interessierten Beobachters" im Bankenmarkt, sagte der Sprecher des Rückversicherers weiter. Der Vorstand der Commerzbank sei von dem Kauf informiert worden und begrüße ihn.

Aus Commerzbank-Kreisen verlautete, die Bank habe am Mittwoch von dem Schritt erfahren und sei überrascht gewesen. Ein Sprecher der Geschäftsbank sagte, der stärkere Einstieg der Rück bedeute mehr als eine Anlage-Entscheidung: "Es ist eine geschickte Beteiligung. Die Münchener Rück will in dem sich wandelnden Bankenmarkt gut positioniert sein", sagte er.

Die Aktie der Commerzbank stieg am Donnerstag im Verlauf um mehr als acht Prozent auf 18,75 Euro. Sie war zuletzt stark unter Druck, nachdem Übernahmespekulationen nachgelassen hatten.

Gleichzeitig vollzogen die Allianz und die Münchener Rück den ersten Teil der Entflechtung ihrer gegenseitigen und ihrer gemeinsamen Beteiligungen, die bei der Übernahme der Dresdner Bank durch die Allianz vereinbart worden war. An der Dresdner Bank und der Allianz Leben ist die Münchener Rück nun nicht mehr beteiligt, die Allianz stieg zugleich bei der HypoVereinsbank aus. (Reuters, Der Standard, Printausgabe, 18.01.02)

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