8,5 Milliarden Euro für die Telekom

17. Jänner 2002, 19:12
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Investmenthaus SchroderSalomon- Smithbarney wagt Bewertung des Ex-monopolisten

Wien - So viel Geld wie vor der Liberalisierung des europäischen Telekommarktes und der Krise der Technologieaktien ist die Telekom Austria (TA) nicht mehr wert. Die mit der weiteren Privatisierung beauftragte Verstaatlichtenholding ÖIAG könnte dennoch viel Geld lukrieren beim TA-Verkauf: Laut dem Investmenthaus SchroderSalomonSmithbarney (SSSB) ist der TA-Konzern 8,5 Milliarden Euro (117,0 Mrd. S) wert.

Davon entfallen auf das Festnetzgeschäft, also die Telekom Austria AG plus Internet- und Datensparte sowie Czech Online, 4,3 Mrd. EURO und vier Mrd. EURO auf deren Cashcow A1 Mobilkom samt Auslandstöchtern in Slowenien, Kroatien und Liechtenstein.

Der SSSB-Analyse folgend wäre der 29,8 Prozentanteil des TA-Großaktionärs Telecom Italia (TI) knapp 1,3 Mrd. EURO und das TI-Viertel an der Mobilkom rund eine Mrd. Euro wert. Zum Vergleich: Bei ihrem Einstieg vor mehr als drei Jahren haben die Italiener für ihre beiden Sperrminoriäten fast 2,6 Mrd. EURO auf den Tisch geblättert (davon knapp zwei Mrd. EURO oder 15,86 Euro pro Aktie allein für die TA). Am Donnerstag notierte die TA bei 9,64 EURO.

Den Löwenanteil ihres Geschäfts macht die TA laut SSSB noch immer im Inland, der österreichische Markt wird mit 7,9 Mrd. Euro beziffert. Das Kurziel für die TA-Aktie hat SSSB von zehn auf 10,40 Euro erhöht. Parallel dazu die Gewinnprognose für 2002 allerdings von 15 auf zehn Cent je Aktie gesenkt. Die Schätzung für 2003 wurde von 47 auf 23 Euro je Anteilsschein zurückgenommen. Das Rating "Outperform, High Risk" wurde bestätigt.

Für einen Verkauf der TA sieht SSSB keine Eile, weder für TI noch für die ÖIAG, die 47,8 Prozent an der TA hält. Der TA-Wert habe zuletzt von der Restrukturierung profitiert und könne noch steigen, heißt es. Daher sei es möglich, dass die Eigentümer mit dem Verkauf noch abwarten, um einen besseren Verkaufspreis zu erzielen.

Das haben sich beide Großaktionäre offenbar schon zu Herzen genommen, denn TI will den detaillierten Geschäfts- und Verkaufsplan am 14. Februar präsentieren (ursprünglich war dies für Weihnachten geplant, Anm.). Davon erwarten Banker und Analysten mehr Klarheit über das weitere Vorgehen.

Auf der Bremse

Wie berichtet, sind TA und TI eng aneinander gebunden und dürfen nur mit gegenseitigem Einverständnis verkaufen. Auch die ÖIAG, angesteckt von der Verkaufswut der Italiener, ist vor Wochen auf die Bremse gestiegen und will bis Ende März ein Verkaufsszenario vorlegen. Kompliziert wird es, weil jeder Käufer, der mehr als die TI-Anteile erwirbt, sogleich dem Streubesitz ein Übernahmeangebot machen muss.

SSSB bringt eine neue, alte Variante ins Spiel: Die TI könnte ihren TA-Anteil gegen mehr Aktien an der Mobilkom eintauschen. Dies wird in Mailänder Kreisen allerdings als unwahrscheinlich eingestuft: "Telecom Italia muss Kasse machen, um mit dem vorrangigen Ziel, dem Schuldenabbau, voranzukommen", meinte der Analyst Marco Opipari vom Bankhaus Metzler Capital Market. Und dabei zähle die TA zu den wichtigsten Verkaufskandidaten. Man habe aber keine Eile mit dem Verkauf, die Beteiligungsverkäufe sollen bis Ende 2003 abgeschlossen sein, betonte ein TI-Sprecher.

Als idealer Käufer gilt für SSSB die Deutsche Telekom, diese hat allerdings "Einkaufsverbot" und muss Schulden abbauen. Abgewunken hat am Donnerstag Vodafone. (APA, ung, tkb, Der Standard, Printausgabe, 18.01.02)

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