Die mit ihrer Hand ballern

17. Jänner 2002, 19:32
posten

WM-Quali: Österreich auf bestem Weg

Lustenau - In Zeiten wie diesen gibt es weniger Scheine als früher und jedenfalls keine Garantien. "Garantieschein ist das keiner", sagte also Österreichs deutscher Handball-Teamchef Rainer Osmann ganz richtig, und er meinte den 30:20-Sieg über Finnland, den die Handballer in Lustenau und in der Qualifikation für die WM 2003 (Portugal) gelandet hatten. Am Sonntag schon kommt's in Helsinki zur Revanche, Ziel der Österreicher ist der nächste Erfolg, er würde die Basis legen zum Sieg in der Quali-Gruppe 3. Georgien, in einer Woche der letzte österreichische Gegner, ist eher schwächer einzuschätzen als die Niederlande, denen Österreich bereits drei von vier Punkten abgenommen hat, und Finnland.

Chef Osmann (51) lebt dem Team vor, dass man es mit Konsequenz zu etwas bringen kann im Leben. "Ich suche hungrige Spieler, denen es eine Ehre ist, für Österreich zu spielen", war seine Devise, als er Anfang August sein Amt antrat. In der Folge stellte er sich bei den Klubtrainern vor, beobachtete, was zu beobachten war, organisierte kurze Lehrgänge, machte den Spielern in Einzelgesprächen seine Vorstellungen klar. Teamgoalie Thomas Huemer über Osmann: "Disziplin ist sein oberstes Gebot. Das zieht sich hin bis zur Körpersprache. Wer beispielsweise die Schultern hängen lässt, selbst beim Frühstück, wird von Osmann aufgefordert, die richtige Haltung einzunehmen."

Stehende Ovation für Tormann Huemer

Huemer bekam in Lustenau von 1700 Zusehern stehende Ovationen, er hielt 21 finnische Bälle. Der 25-Jährige, der in der Staatsliga nun das Harder Tor hütet, ist von Linz gekommen, wo er bei Ewald Humenberger, dem Goalie-Evergreen, quasi in die Lehre ging. "Er hat mir das Einmaleins beigebracht, vom Training mit ihm habe ich sehr profitiert." Im Team profitiert er auch von der Defensive, die zumeist nach 5-1-System agiert, soll heißen mit einem Quintett am eigenen Kreis und einem Spieler, der einen Gegner herausdeckt und im Fall eines Ballgewinns schnelle Gegenstöße läuft.

Osmann ist nicht nur ein, wie Huemer sagt, "gründlicher", sondern auch ein zurückhaltender Deutscher. An die Weltmeisterschaft wagt er nicht zu denken, er denke stets nur ans nächste Spiel. Immerhin gibt Osmann zu: "Wenn wir in Helsinki gewinnen, ist das eine gewisse Vorentscheidung." Der Gruppenbeste indes qualifiziert sich noch nicht für die WM-Endrunde, sondern für ein Playoff gegen ein gesetztes Team. Und erst dann wird sich zeigen, ob der Sieger nicht nur der beste Verlierer war. (fri, Printausgabe DerStandard, 18.01.2002)

Share if you care.