Centzähler haben Hochkonjunktur

18. Jänner 2002, 09:23
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Preisaktionen bei den Supermärkten

Ein steirischer Standard-Leser rechnete nach: Kauft er ein Joghurt bei Billa, bepreist mit 0,537 Euro, zahlt er dank der "Abrundungsgarantie" 0,53 Euro. Nimmt er hingegen drei Stück, erlöst der Handelskonzern ein paar Cent mehr pro Becher, denn: Dreimal 0,537 ergibt 1,611. Das abgerundet sind 1,61, die Ersparnis beträgt also nur 0,1 Cent. Daraus schließt der penible Steirer: "Wer mehr kauft, zahlt mehr."

Doch Fachleute registrieren im filialisierten Einzelhandel seit Jahresbeginn massive Preisaktionen, "wie es dieses Land noch nicht erlebt hat", schreibt etwa die Handelsfachzeitschrift Key Account. Dabei feiert die uralte Idee von den 9er-Preisen fröhliche Urständ: Die Diskonter Hofer und Lidl senkten etwa Hunderte Preise um einstellige Prozentsätze, um sie wieder in die psychologisch wichtige 0,99-Euro-Zone zu bewegen.

Billa und Spar, Nummer eins und Nummer zwei im Ranking der Handelsriesen, setzten auf unterschiedliche Konzepte: Billa gibt vor allem den Mitgliedern des Kundenclubs Rabatte in der Höhe zwischen 34 und 52 Prozent. Strategisch schlau erwiesen sich die Gelb-Roten insofern, als die Kundenkarte auch an der Bankomatkasse eingesetzt werden kann, und Kartenzahlungen steigen (siehe Grafik unten). Spar setzt auf die Wirkung des Ein-Euro-Preises plus eine eigene Comicfigur, den "Preisbeißer". (Leo Szemeliker und Robert Zwickelsdorfer, Der Standard, Printausgabe, 18.01.02)

HANDEL KÄMPFT, INDUSTRIE MUSS MIT
So entstehen Preisaktionen
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