Terrorbekämpfung: Eine Zwischenbilanz

17. Jänner 2002, 18:38
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EU-Behörden vereitelten 2001 mehrere Anschläge - Somalia weiter im Visier der USA

Stockholm/London - Monate vor den Anschlägen in den USA am 11. September haben die Behörden in der Europäischen Union nach eigenen Angaben mehrere Attentate auf Ziele in Europa vereitelt. Mehrere Verdächtige seien festgenommen worden, von denen einige Verbindungen zu der El-Kaida-Gruppe des Moslem-Extremisten Osama bin Laden gehabt hätten, sagte ein schwedischer Vertreter von Eurojust, dem Verbund der EU-Staatsanwaltschaften, am Donnerstag.

Die USA halten Bin Laden für den Drahtzieher der Anschläge vom 11. September. In Großbritannien nahm die Polizei zwei Algerier fest, die der El-Kaida angehören sollten. Der Irak erklärte sich für einen Angriff der USA gewappnet, die weitere Aktionen im Kampf gegen den Terrorismus nicht ausgeschlossen haben.

Mehrere Anschläge vereitelt

Durch die in sechs EU-Mitgliedsstaaten geplanten Anschläge hätte es sicher Todesopfer gegeben, sagte Björn Blomquist von Eurojust. Sie hätten aber nicht solch verheerende Folgen wie die Anschläge am 11. September in New York und Washington gehabt. Um welche europäischen Länder es sich handelte, wollte Blomquist nicht sagen. Die Polizei der jeweiligen EU-Staaten habe ihre Kolegen in den USA über die vereitelten Anschläge informiert, die Anschläge vom 11.September seien aber dadurch nicht zu verhindern gewesen, sagte Blomquist.

Die Festnahmen in Großbritannen waren nach Polizeiangaben eine Folge europaweiter Ermittlungen. Der eine, ein 37-jähriger Algerier, soll ein bedeutendes Mitglied der El Kaida sein. Ebenso wie seinem 30-jährigen Landsmann werde ihm zudem vorgeworfen, Terrorismus finanziert zu haben. Die britische Wohlfahrtskommission begann zudem mit der Prüfung von Unterlagen der Internationalen Entwicklungsstiftung, einer islamischen Hilfsorganisation die nach französischen Regierungsangaben ebenfalls Verbindungen zur El Kaida haben soll.

Somalia weiterhin im Visier der USA

Ein weiteres potenzielles Ziel der USA ist das ostafrikanische Somalia. Das Land versank nach dem Sturz des Diktators Siad Barre 1991 im Chaos von Familien- und Stammesfehden. Das Fehlen einer staatlichen Ordnung macht Somalia nach Ansicht der USA zu einem idealen Rückzugsgebiet für Mitglieder der El-Kaida. Frankreichs Entwicklungshilfeminister Charles Josselin forderte die USA am Mittwoch in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba auf, Militäraktionen gegen Somalia erst nach gründlicher Prüfung und bei eindeutiger Beweislage zu ergreifen.

US-Aktivitäten auf den Philippinen

Als Teil ihrer Anti-Terrorismus-Kampagne haben die USA auch Truppen auf die Philippinen entsandt, wo sie nach offizieller Darstellung der philippinischen Armee bei der Bekämpfung moslemischer Untergrundkämpfer in der Region Mindanao beratend zur Seite stehen sollen. Die USA gehen davon aus, dass die philippinischen Moslemrebellen Verbindungen zur El Kaida haben. Die philippinische Polizei beschlagnahmte am Donnerstag im Süden des Landes eine Tonne Sprengstoff und nahm drei Männer fest, die in Verbindung zur El Kaida stehen sollen. Die Festnahmen seien Folge eines Hinweises der Sicherheitsbehörden aus Singapur, sagte ein Polizeisprecher. Singapur hatte erst vor kurzem 15 Personen festgenommen, die ebenfalls Kontakte zur El Kaida gehabt haben sollen.(APA/Reuters)

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