Das Eis der Antarktis scheint eher zu wachsen als abzuschmelzen

17. Jänner 2002, 20:00
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Zweite überraschende Studie innerhalb einer Woche - Widerspruch zu früheren Messungen

Washington - Die Eismassen der westlichen Antarktis nehmen jüngsten Daten US-amerikanischer Wissenschafter zufolge mit hoher Wahrscheinlichkeit zu, statt wie bisher vermutet zu schmelzen. Das Eis des Ross-Eisstromes in der Westantarktis wachse um jährlich 26,8 Milliarden Tonnen, berichten die Glaziologen Ian Joughin vom California Institute of Technology in Pasadena und Slawek Tulaczyk von der University of California in Santa Cruz im US-Fachjournal "Science".

Frühere Messungen waren dagegen von einem jährlichen Verlust von rund 20 Milliarden Tonnen ausgegangen. Die über zehntausend Jahre anhaltende Abtauphase der antarktischen Gletscher nach dem Ende der letzten Eiszeit könnte sich ihrem Ende zuneigen.

Messprobleme?

In einem begleitenden Kommentar weist der Klimaforscher Richard B. Alley von der Pennsylvania State University auf die großen Schwierigkeiten bei der Abschätzung derartiger Massenbilanzen hin: "Frühere Messungen ... enthielten beträchtliche Unsicherheiten, weil es zu wenige Probenpunkte gab, um die genaue räumliche Verteilung (der Eismassen) zu erfassen." Dieser Mangel sei mit dem Einsatz neuer spezieller Radarmessungen im Bereich des Ross-Schelfeises der Westantarktis nun behoben worden.

In der vergangenen Woche hatten Forscher - auch sie aus den USA - eine Studie veröffentlicht, nach der es zumindest in Teilen der Antarktis kälter werde. Während die Durchschnittstemperaturen der Erde ständig leicht angestiegen sind, sanken sie auf dem eisigen Südkontinent. Zwischen 1986 und dem Jahr 2000 habe sich die Oberfläche der trockenen Täler im McMurdo-Gebiet pro Dekade um 0,7 Grad Celsius abgekühlt. (APA/dpa)

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