Forscher wollen auch Anlage für manische Depression im Genom lokalisieren

19. Jänner 2002, 10:00
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Chromosom 8 und Chromosom 10 als Kandidaten genannt

Bonn - Einer interdisziplinären Arbeitsgruppe unter Führung des Instituts für Humangenetik der Universität Bonn ist es gelungen, ein Gen zu lokalisieren, das die manisch-depressive Krankheit mit auslöst. In Kooperation mit der Klinik für Psychiatrie und dem Institut für Biometrie sowie anderen Nervenkliniken untersuchten die Forscher insgesamt 75 Familien mit 445 Personen - 275 von ihnen waren manisch-depressiv. Das Team um den Humangenetiker Peter Propping hat bei manisch-depressiven Geschwistern erforscht, auf welchen Stellen ihrer Chromosome sich die Erbinformationen besonders stark ähneln. "Die Entdeckung der beteiligten Gene kann zur Entwicklung neuer Behandlungsverfahren führen", so Propping.

Die Humangenetiker nahmen 400 kurze Genom-Abschnitte unter die Lupe. Es zeigte sich, dass einige dieser Abschnitte bei den kranken Geschwistern besonders häufig identisch sind - in ihrer Nähe könnte sich ein Gen befinden, das zum Ausbruch der Krankheit beiträgt. Zwei Abschnitte - einer auf dem langen Arm von Chromosom 8, der zweite auf Chromosom 10 - scheinen dabei besonders in Frage zu kommen. Beide bestehen aber noch aus vielen Millionen "Buchstaben" und sind daher zu groß, um sie direkt zu sequenzieren und die Sequenz von Kranken und Gesunden miteinander vergleichen zu können.

Manisch-Depressive leiden unter extremen Stimmungsschwankungen. Viele Erkrankte nehmen sich während einer depressiven Phase das Leben. Etwa ein Prozent aller Menschen erkrankt im Laufe seines Lebens an dieser "bipolaren affektiven Störung" - und das in allen bisher untersuchten Kulturkreisen. Die Ursachen sind noch unbekannt, daher gestaltet sich die Behandlung schwierig. "Wir haben daher vor zwölf Jahren damit begonnen, nach den beteiligten Genen zu suchen", erklärt Propping. Die Basis bildeten Zwillingsstudien, die zeigten, dass Träger der entsprechenden Erbanlagen mit einer Wahrscheinlichkeit von 70 bis 80 Prozent erkranken. "Als nächsten Schritt planen wir daher, uns mit anderen Methoden noch weiter an das mögliche Gen heranzutasten", erklärt Propping. Die Arbeit wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. (pte)

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