Umbauen, Outsourcen, Ausstellen

17. Jänner 2002, 17:44
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Die Pläne des neuen Direktors des Wiener Museums moderner Kunst, Edelbert Köb

Wien - Es ist ja so wie in der Wirtschaft, und daran muss sich das nun vollrechtsfähige Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig, im Herbst eingezogen in den Lava-Bau im MuQua, jetzt auch gewöhnen:

Der eine Boss (Lóránd Hegyi) ging, der neue Boss (Edelbert Köb) macht alles anders. Das Logo wird noch einmal modifiziert, und Profitcenter, Outsourcing sowie "leistungsorientierte Gehälter" ersetzen Beamtenschemata. Der Mitteleuropa-Schwerpunkt weicht dem Fokus auf Pop-Art, Hyperrealismus und Aktionismus, präsentiert für die Dauer von zirka einem bis eineinhalb Jahren als Fokus 1 ab 19. Juni.

Direktor Köb klärte am Donnerstag bei einer Art Power-Point-Architekturvortrags-Pressekonferenz Gerüchte, wonach das Haus aufgrund von Umbauarbeiten ("Strukturmängel") ganze vier Monate lang gesperrt sein soll. Fazit: Einen Monat (20.5. - 18.6.) bleibt das bis dato von "bestürzend wenigen" (Köb), nämlich 86.000 Menschen besuchte Mumok komplett geschlossen, die wesentlichen baulichen Maßnahmen sollen gestaffelt in Angriff genommen werden - Beginn 2. April.

Die Sammlungspräsentation, deren erste sich Köb selbst vornimmt, schrumpft dabei enorm, die vorletzte Etage sieht nun Wechselausstellungen vor. Als einzige bauliche Maßnahme sei ein Durchbruch in dieser Etage vorgesehen, die neben dem Kellergeschoß auch Teil der jüngerer Kunst vorbehaltenen "Factory" sein wird (geplant: Jason Rhoades, Kara E. Walker, Videokunst aus Polen).

Ein schlauer Schachzug Köbs ist auch die - allerdings bereits unter Hegyi geplante - Ausstellung von Heimo Zobernig, der in seiner institutionskritischen Kunst sämtliche Wände des Erdgeschoßes wegnimmt - und dem Neodirektor die Verantwortung. Die Mumok-Architekten gaben laut Köb das O.K., statisch werde alles noch überprüft.

Auf rund 1,817 Mio. Euro (ca. 25 Mio. S) werden sich sämtliche, auch längerfristige Um- und Zubauten (z.B. Außensteg und Dachterrasse fürs Restaurant) belaufen. Mittel, die man vom Ministerium sowie über Sponsoren und Vermietung bekommen will: Man rechnet im Haus mit einer "kurzen Payback-Periode". Durch die Blume ließ Köb damit verlauten, dass heuer an Neuzukäufe nicht zu denken sei. Anmieten, um zu vermieten: Das Kistendepot in den Hofstallungen wird zu einem 450 m² großen Veranstaltungsraum umgewandelt. 7,4 Mio. Euro Bundesgelder erhält derzeit das Museum pro Jahr.

Am 4. September eröffnet die erste Großausstellung, die ursprünglich für den steirischen herbst 2001 geplante, von Cathrin Pichler zusammengestellte Schau über Antonin Artaud, 2003 folgt eine Personale von Jeff Wall.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18. 1. 2002)

Von
Doris Krumpl

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