Wie Pferde und Bäume auszusehen haben

26. August 2003, 18:54
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Projektorientierter Kunstunterricht in Schulen gefordert

Wien - Ob mit Begeisterung oder nicht: Österreichs Schüler gehen vergleichsweise oft ins Theater, ins Museum oder in Konzerte. Im EU-Raum stufen sie laut der OECD-Studie "Pisa" ihre kulturellen Aktivitäten sogar am zweithöchsten, gleich nach den Dänen, ein.

Dass nicht nur die Quantität, sondern auch die Qualität der Kunstvermittlung stimmt - daran zweifelt allerdings der Maler Adolf Frohner, Professor an der Universität für angewandte Kunst: "In Österreichs Schulen wird nicht geweckt, sondern zugedeckt", kritisiert er. Indem man den Kindern von Anfang an eintrichtert, "wie etwas zu klingen und auszuschauen hat". Frohner: "Oft müssen sich Kinder anhören, dass sie keine Pferde oder Bäume malen können."

Die Förderung des musisch-kreativen Talents von Kindern ist Lehrprinzip an den heimischen Pflichtschulen. Bildungsministerin Elisabeth Gehrer betont in Reden gern, wie wichtig ihr dies ist.

Im Ministerium selbst unterstreicht man auf _Standard-Anfrage die Bedeutung des Vereins Österreichischer Kultur-Service (ÖKS), der seit 1977 im Auftrag des Ressorts entsprechende Projekte fördert. Und betont, dass die anstehende AHS-Oberstufenreform eine autonome Schwerpunktsetzung auch im musisch-kreativen Bereich ermöglichen werde.

Doch die Umsetzung solcher Ideen erscheint schwierig. Michael Wimmer, Geschäftsführer des ÖKS, bezeichnet das Schulsystem als sehr träge. Lehrer, die projektorientiert, fächerübergreifend mit den Kindern arbeiten, die die Gegenstände Musik oder Bildnerische Erziehung aus dem "Getto" ins Zentrum des Unterrichts rücken, würden derzeit noch eher behindert als unterstützt. Man müsse erkennen, dass mit Kulturprojekten auch Kernkompetenzen der Schüler gefördert werden: multikulturelles Verständnis, soziales Gewissen, Entscheidungsfähigkeit. Wimmer fordert vor allem ein Umdenken an den Hochschulen. "Damit die auszubildenden Lehrer mitbekommen, dass die Welt nicht in zehn Gegenstände einzuteilen ist." (DER STANDARD, Print- Ausgabe, 18. 01. 2002)

Von Peter Illetschko
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