Super-G: Eberharter das Maß aller Dinge

22. Jänner 2002, 15:58
2 Postings

Alessandro Fattori kam dem Weltcupführenden am nächsten, Dritter wurde Didier Cuche

Kitzbühel - Stephan Eberharter schwimmt weiter auf der Welle des Erfolges und jetzt hat der Tiroler auch "seinen" Sieg in Kitzbühel in der Tasche. Der Führende im Gesamtweltcup ist derzeit, so scheint es, in den Speed-Disziplinen nicht zu schlagen. Am Freitag eröffnete er das Hahnenkamm-Wochenende mit dem Sieg im Super G und fuhr damit Weltcup-Sieg Nummer fünf in diesem Winter ein. Zweiter wurde überraschend der Italiener Alessandro Fattori (+ 0,41 Sek.), Rang drei ging an den Schweizer Didier Cuche ( + 0,87). Mit Christoph Gruber auf Platz sechs und Hans Knauß als Neuntem und Klaus Kröll, der mit Nummer 50 auf Platz zehn kam, fuhren noch drei weitere Österreicher in die Top Ten.

Erfülllter Kindheitstraum

Der Mann des Jahres bleibt aber Eberharter. Im Super G liegt die Erfolgsquote nach dem zweiten Saisonrennen bei 100 Prozent, wobei der Sieg in Kitzbühel natürlich alles überstrahlt. "In Kitzbühel zu gewinnen, das ist schon was ganz Besonderes. Es ist der nächste Klassiker, den ich gewonnen habe", erklärte der Tiroler. "Der Stellenwert eines Sieges in Kitz ist fast so wie eine WM und Olympia." Wobei die Tatsache, nun auch eine nach ihm benannte Gondel zu bekommen, für den 32-Jährigen in seiner Heimat nur ein angenehmer Nebeneffekt ist. "Um ehrlich zu sein, der Sieg an sich ist mir wichtiger. Ein Kindheitstraum ist in Erfüllung gegangen."

Die Fahrt Eberharters war annähernd perfekt, aber nur annähernd. "Es ist nicht so, dass ich im Ziel schon wusste, dass es reicht. Denn im Kopf hat man immer einen perfekten Lauf, man weiß dann, dass man ein, zwei Zehntel liegen gelassen hat." Doch mit den Erfolgen im Rücken ist er derzeit so stark, wie nie zuvor. "Für mich war wichtig, dass ich mich nicht aus der Ruhe bringen ließ, dass ich geduldig war. Ich habe gewusst, ich werde wieder eine Chance haben", erläutert der Zillertaler einen Teil seines Geheimnisses. Da gönnte er sich nach der Siegerehrung dann sogar einen Schluck "Stärkungs-Schnaps" für den Abfahrtsklassiker auf der Streif am Samstag.

Fattori überrascht als Zweiter

Wirklich zittern musste Eberharter im Ziel nur bei der Fahrt von Alessandro Fattori, der am Hausberg nur zwei Zehntel zurück lag, aber den unteren Teil wie Eberharter nicht ganz optimal erwischte. "Kitzbühel ist ein guter Platz für mich", grinste der Italiener danach, "hier habe ich schon mein erstes Top-Fünf-Ergebnis erreicht. Und jetzt kann ich natürlich mit Selbstvertrauen zu Olympia fahren."

Die anderen Österreicher waren mit ihren Fahrten nicht ganz zufrieden. Christoph Gruber haderte mit dem knappen Rückstand aufs Podest, das er in der Traverse verschenkte. "Mit der Fahrt bin ich gar nicht so unzufrieden, aber ein Platz am Stockerl wäre schon wieder einmal schön. Doch es war eben auch heute nicht das Gelbe vom Ei." Die Überraschung aus österreicherischer Sicht waren an diesem Tag aber Hans Knauß und Klaus Kröll. Die beiden Steirer fuhren mit hohen Nummern in die Top Ten.

Knaus, ein Licht im Dunkeln

Und trotzdem war Hans Knauß, bei dem die Sonne bereits verschwunden war, grantig. "Ich habe mich schon während der Fahrt geärgert. Einerseits über mich, andererseits weil ich nichts gesehen habe. Es war brutal finster", betonte er verärgert. Und zurecht, denn bis zur letzten Zwischenzeit war er noch auf Podestkurs gelegen. "Aber wenigstens weiß ich jetzt endlich, dass ich einfach nur Ski fahren und nicht weiß Gott wie beißen muss." Überglücklich war hingegen Klaus Kröll: "Gewaltig, damit ich überhaupt nicht gerechnet, vor allem weil ich nicht wusste, wo ich im Super G stehe."

Die österreichischen Abfahrer vergaben ihre Chancen schon bei der ersten Zwischenzeit. Hannes Trinkl schied aus ("Ein dummer Fehler, ich bin gefahren wie ein junger Bua"), Fritz Strobl verschenkte dort viel Zeit und Peter Rzehak, ebenfalls gut unterwegs, brach ein großer Teil des Belages vom Ski. "Ich habe sogar Probleme gehabt, ins Ziel zu rutschen", ärgerte er sich. Und auch Andreas Schifferer war als Elfter nur bedingt zufrieden: "Es geht einfach zäh her zur Zeit."(APA)

Share if you care.