Krankl will nicht "jammern wie Otto"

25. Jänner 2002, 13:52
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"Die einen mögen mich, die anderen nicht. Ich werde mich nicht ändern und die Gegner auch nicht"

Wien – Zwei Tage nach der Entscheidung der Task Force für die österreichische Lösung mit Hans Krankl als ÖFB-Teamchef wurde der neue Mann auf dem Kommandoturm der Nationalmannschaft am Mittwoch im Wiener Hotel Marriott den Medien präsentiert. Mit den einleitenden Worten des am 7. April nach 18-jähriger Amtszeit scheidenden ÖFB-Präsidenten Beppo Mauhart, dass man sich am Montag in Salzburg nach intensiven Diskussionen über "zwei interessante Kandidaten" für einen der größten heimischen Fußballer entschieden hatte.

Mauhart wünscht Krankl die EM-Endrunde

Ein Mann mit internationaler Reputation und Auslandserfahrung als Spieler (Barcelona), der den Fußballbetrieb in Österreich in- und auswendig kenne, der als Trainer Begeisterung vermitteln könne, der die entsprechende emotionelle Einstellung zum Land mitbringe und die vollste Unterstützung durch den ÖFB genieße. Das könne er auch über seinen Nachfolger Friedrich Stickler sagen. Mauhart: "Ich wünsche Hans Krankl als ersten österreichischen Teamchef überhaupt die sportliche Qualifikation für die EM-Endrunde."

Krankls Traum wurde wahr

Die EM-Ausscheidung wird auch die erste Herausforderung für den neuen Mann sein, dessen (noch nicht unterschriebener) Vertrag vom 1. Februar 2002 bis 31. Dezember 2003 mit automatischer Verlängerung bis zur EM-Endrunde läuft, falls sich Österreichs Team für Portugal qualifizieren sollte. Krankl, der 69 offizielle Länderspiele für das Land bestritten hatte, betonte einmal mehr seine Freude und seinen Stolz, es geworden zu sein, und dass ein Österreicher es geworden sei: "Ein Traum für jeden Trainer."

Keine Namen

Namen werde er zum derzeitigen Zeitpunkt aber keine nennen, sagte der einstige Goleador konkret auf seinen ehemaligen Schützling Andreas Herzog angesprochen. Einen Generationswechsel müsse es aber geben. Was die "Israel-Verweigerer" betreffe, so werde er mit keinem ein Gespräch führen. "Damit habe ich nichts zu tun, wen ich einberufe, der muss kommen", meinte er. Brauchen könne er aber nur Spieler, die "mit Herz und der inneren Einstellung für dieses Land spielen". Bis zum ersten Länderspiel am 27. März gegen die Slowakei hätte er ja noch viel Zeit.

Thema Nachwuchsarbeit

"Vielleicht stehe ich nach zwei Jahren als Verlierer da oder auch als Gewinner. Wenn es honoriert wird, werde ich den Vertrag verlängern", so Krankl, der am 14. Februar 49 Jahre alt wird. Der neue Teamchef betont die Bedeutung einer noch intensiveren Nachwuchsarbeit ("da muss noch mehr Geld investiert werden") und will besonders die Leistungsstufe zwischen 17 und 19 Jahren zum Thema machen. "Vorher können wir mithalten, sind aber bei weitem nicht die Besten. Doch für dieses Alter muss etwas geschehen. Die Burschen, es gibt große Talente, müssen bei den Profis mittrainieren, vielleicht sollte man für sie einen neuen Bewerb schaffen, die entsprechenden Amateurmannschaften spielen viel zu tief", findet er.

"Nicht jammern wie Otto"

Was die vielen Ausländer in der Bundesliga betrifft, so "will ich nicht am ersten Tag schon jammern wie der Otto". Die vielen mittelmäßigen Ausländer wären jedoch ein Problem, "aber ein richtig guter Junger setzt sich gegen diese durch." Er werde regelmäßig die Klubs auch beim Training und nicht nur bei Spielen besuchen, verspricht der neue Mann.

Elephantenhaut als Schutz

Hans Krankl weiß, dass er polarisiert: "Die einen mögen mich, die anderen nicht. Ich werde mich nicht ändern und die Gegner auch nicht. Es bleibt also alles beim Alten, ich habe aber eine Elefantenhaut", glaubt er.(APA)

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