Brustkrebs noch immer Tabuthema

22. Jänner 2002, 14:51
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Kärntner Studie zeigt Lücken im Betreuungssystem auf

Klagenfurt - Frauengerechte Aufklärung und Information zum Thema Brust und Brusterkrankungen sowie die interdisziplinäre Zusammenarbeit im Gesundheitswesen sind die wichtigsten Voraussetzungen für eine frauengerechte Gesundheitsarbeit. Zu diesem Ergebnis kommt die Kärntner Brustkrebsstudie, die am Donnerstag in Klagenfurt präsentiert wurde.

Die Studie "Plötzlich ist das Leben anders" wurde im Auftrag von Gesundheitsreferent LHStv. Peter Ambrozy (S) mit finanzieller Unterstützung des Fonds Gesundes Österreich durchgeführt (Gesamtkosten 60.000 Euro = 825.620 Schilling). In einjähriger Forschungsarbeit haben die beiden Sozialwissenschafterinnen Birgit Buchinger und Ulrike Gschwandtner von Solution Salzburg Interviews mit an Brustkrebs erkrankten und auch gesunden Frauen durchgeführt. Ebenso fanden Interviews und Modellarbeitskreise mit FachexpertInnen aus den Bereichen Gesundheit und Soziales statt.

"Als wäre ich in einen Tunnel gefallen"

Gschwandtner stellte fest, dass Krebs im Allgemeinen und Brustkrebs im Besonderen noch immer ein Tabuthema sei. Daher sei sie erstaunt gewesen, dass sich 19 Frauen (zwölf davon an Brustkrebs erkrankt) für Interviews zur Verfügung stellten. Dabei stellte sich heraus, dass es nicht die "normale Geschichte einer Brustkrebserkrankung" gibt, sondern jede Frau "ihre eigene Erkrankung" hat. Die Reaktion auf die Diagnose Brustkrebs wurde von den meisten Frauen mit dem Satz "Als wäre ich in einen Tunnel gefallen" beschrieben. Für alle hat dann gegolten: Alles zu tun, um weiter leben zu können.

In der Studie scheint auch Kritik an der ÄrztInnenschaft auf. Dies gilt sowohl für die mangelnde Information bei Chemo- und Strahlentherapie, die mangelnde Kommunikation zwischen Ärztin/Arzt und Patientin, das geringe Wissen der HausärztInnen über Brustkrebs und die fehlende psychologische Betreuung. "Angesichts der Lücken im Betreuungssystem kommt Selbsthilfegruppen große Bedeutung zu", heißt es in der Studie.

"Herausfinden, wo es Defizite gibt"

Buchinger referierte über die Sichtweite der befragten FachexpertInnen aus dem Gesundheits- und Sozialbereich und stellte fest, dass bei Brustkrebs das zentrale Augenmerk auf die Früherkennung zu legen sei. In Kärnten ortet sie ein "Defizit an Aufklärung und spezifischer Vorsorge" und betont die Notwendigkeit, den öffentlichen Umgang mit der weiblichen Brust zu ändern. Schließlich gelte es vorrangig, ein Gesamtkonzept für die Gesundheitspolitik des Landes Kärnten zu erstellen.

"Wir wollen herausfinden, wo es Defizite gibt", sagte Ambrozy. Daher werde er in der Regierung beantragen, für Kärnten ein eigenes langfristiges und umfangreiches Frauengesundheitsprogramm zu entwickeln und zu gestalten. Damit solle die Frauengesundheitszentrum Kärnten GmbH. mit Sitz in Villach (Geschäftsführung Regina Steinhauser) beauftragt werden. Die Kosten dafür bezifferte Ambrozy mit 50.000 Euro (688.000 Schilling). "Wir sollten versuchen, alle Anregungen in ein System zu bringen", sagte der Gesundheitsreferent. (APA)

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