"Basel II" die ärgsten Giftzähne ziehen

17. Jänner 2002, 12:00
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Österreich, Deutschland, Italien erwarten von Banken ausreichend Eigenmittel für Ausfallsrisiken

Wien - Österreich hat laut Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (V) Deutschland und Italien als Verbündete, um "Basel II" die ärgsten Giftzähne zu ziehen. Ab 2005 fordern die in Arbeit befindlichen internationalen Eigenkapitalrichtlinien von den Banken, dass sie ausreichend Eigenmittel halten müssen, um die in denen von ihnen vergebenen Kredite enthaltenen Ausfallsrisiken (Wertberichtigungen, Konkurse) abdecken zu können. Kredite an Schuldner mit hoher Bonität müssen mit weniger, solche mit geringer Bonität mit mehr Eigenkapital unterlegt werden, was für schlechtere Schuldner massive Kreditverteuerungen erwarten lässt.

Österreichische Unternehmen: 65 Prozent durch Kredite finanziert

Österreichs Unternehmen finanzieren sich zu 65 Prozent über Bankkredite. Der "wichtigste Giftzahn" könnte entfernt werden, würde eine Kredituntergrenze von 5 Mill. Euro (68,8 Mill. S) eingezogen werden, für die Basel II mit seinem komplizierten Reglement (interne Ratings, etc.) nicht angewendet werde, sagte Bartenstein. Damit würden 97 Prozent der Unternehmen in Österreich "aus Basel II herausfallen, ihre Firmenkredite wie Privatkredite behandelt", sagte Bartenstein am Donnerstag bei einer Enquete in Wien. Laut Nationalbank ist diese Untergrenze aber zu hoch gegriffen.

Dass sich die Eigenkapitalunterlegung der Banken künftig stärker nach dem Risikogehalt der Kredite orientiert, sprich Kreditkonditionen sich stärker an der Bonität orientierten, weniger gute Kunden also weniger gute Konditionen bekämen, sei "marktwirtschaftlich völlig verständlich", meint Bartenstein. Es müsse aber Grenzen geben. KMU wie Banken müssten aus dem Basel II-Prozess "gestärkt hervorgehen".

Sektoren-Schlagabtausch

Zu einem Sektoren-Schlagabtausch kam es bei der Enquete zwischen der Wirtschaftskammer-Spitze namens der Kredit nehmenden Branchen und der Bankwirtschaft: Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl appellierte an die Institute, nicht unter dem "Deckmantel Basel II" schon jetzt die Konditionen zu verschärfen. "Die Kreditwirtschaft eines Landes kann auf Dauer nur so gut sein, wie die Wirtschaft, die dahinter steht." Zinssenkungssignale der EZB müssten in dem Konjunkturumfeld an die Wirtschaft weiter gegeben werden, verlangte Leitl, "da sonst dieses wirtschaftspolitische Signal verpufft".

Darauf entgegnete Walter Rothensteiner, Obmann der Kreditsparte in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), "die österreichischen Banken wollen weiter Kunden haben". Deshalb sei es auch im Interesse der Geldinstitute, die Kreditvergabepolitik so zu gestalten, "dass die Kunden weiterleben können". Die Banken hätten im übrigen nicht vor, ihre Betriebsergebnisse solcherart zu verbessern und auf der anderen Seite im EGT durch mehr Wertberichtigungen schlechter zu werden. (APA)

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