Personen, Fakten, Zahlen

18. Jänner 2002, 17:03
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Ein Glossar der wichtigsten Begriffe rund um die Konferenz

Berlin - An der Wannsee-Konferenz am 20. Jänner 1942 nahmen insgesamt 15 Spitzenbeamte der Ministerien und der SS teil. Da einige Personen und Organisationen heute zwar noch vom Namen her geläufig sind, aber ihre genauen Funktionen weniger bekannt sind, gibt es hier eine Übersicht mit den wichtigsten Personen und Begriffen aus dem Umfeld der Konferenz:

Eichmann, Adolf (1906-1962): Geboren in Solingen, zog er als Kind mit seiner Familie nach Linz in Österreich. Von Beruf war er Handelsvertreter. Er trat 1932 der österreichischen NSDAP bei und kam 1934 nach Berlin in ein Juden-Referat des Sicherheitsdienstes. 1938 wurde er Chef der "Zentralstelle für jüdische Auswanderung" in Wien. Über Prag kam er 1939 als Leiter des Judenreferats ins Reichssicherheitshauptamt und organisierte die Transporte in die Vernichtungslager. Er war Protokollführer bei der Wannsee-Konferenz.

Nach dem Krieg floh Eichmann nach Argentinien, wo ihn der israelische Geheimdienst 1960 aufspürte und nach Israel entführte. Dort wurde er am 15. Dezember 1961 vor Gericht gestellt und unter anderem wegen Verbrechen gegen das jüdische Volk zum Tode verurteilt und am 1. Juni 1962 hingerichtet.

Heydrich, Reinhard (1904-1942): Geboren in Halle, trat er 1931 in die NSDAP und die SS ein. Im Juli 1932 beauftragte ihn SS-Führer Heinrich Himmler mit dem Aufbau des Sicherheitsdienstes zur Beobachtung politischer Gegner. Im Juni 1936 wurde er Chef der Sicherheitspolizei, im Oktober 1939 Chef des Reichssicherheitshauptamtes.

Ende Juli 1941 erhielt er den Auftrag zur Vorbereitung einer "Gesamtlösung der Judenfrage". Auf der Wannsee-Konferenz hielt er ein Referat über die Gesamtplanung des Massenmords an elf Millionen Juden durch ihre Deportation "nach dem Osten". Zugleich bat er um "entsprechende Unterstützung" durch die auf der Konferenz vertretenen Ministerien. Am 4. Juni 1942 starb er an den Folgen eines Attentats tschechoslowakischer Widerstandskämpfer.

Himmler, Heinrich (1900-1945): Trat 1925 der NSDAP bei. Als Chef der deutschen Polizei (1936-1945) und SS-Reichsführer baute Himmler die Konzentrationslager zu einem Terrorinstrument der Nazis aus. Im Zweiten Weltkrieg stieg seine Machtfülle weiter mit seiner Ernennung zum "Reichskommissar für die Festigung des deutschen Volkstums", Reichsinnenminister und Befehlshaber des Heimatheeres. Er hatte die Ausdehnung der Konzentrationslager auf die besetzten Gebiete zu verantworten und wurde der entscheidende Organisator des Genozids an den Juden.

In der letzten Kriegsphase organisierte Himmler den "Volkssturm". Wegen seiner Versuche, Kontakte mit den westlichen Alliierten zu gewinnen, enthob ihn Adolf Hitler im April 1945 aus allen Ämtern. Himmler beging Selbstmord, nachdem seine Identität in einem Gefangenenlager bei Lüneburg festgestellt worden war.

Reichssicherheitshauptamt (RSHA): Eine im September 1939 errichtete Behörde, die verschiedene Dienststellen des Staates (zum Beispiel Geheime Staatspolizei, Sicherheitspolizei) und der NSDAP (vor allem der SS) zusammenfasste. Sie wurde von Reinhard Heydrich (1939-1942) und Ernst Kaltenbrunner (1943-1945) geleitet. Das RSHA wurde zu einem Unterdrückungsinstrument des nationalsozialistischen Staates entwickelt. Ein Referat leitete die Vernichtungsaktion gegen die Juden.

SS (Schutz-Staffel): Kampfverband der NSDAP, der nach der Machtübernahme in enger Verbindung mit der staatlichen Polizei zu einer mächtigen und gefürchteten Gruppe wurde. Der hochideologisierte Verband war für zahlreiche rassistisch begründete Terroraktionen verantwortlich. Aus ihm ging der Sicherheitsdienst (SD) hervor, der als politische Überwachungsorganisation den Partei- und Staatsapparat durchsetzte. Die SS organisierte den systematischen Völkermord in Osteuropa. (APA/AP)

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