Aufschwung mit Abschlag - Golftourismus

22. Jänner 2002, 13:05
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Selbst in der Wüste grünt es: Wie der Golftourismus weltweit floriert und sich zu einem gigantischen Geschäft entwickelt

Mit Glück landet der kleine Ball in der Nähe eines Lochs, oder, noch besser, mittendrin. Um dem Glück mit wachsendem Können nachzuhelfen, üben auch in Österreich mehr und mehr Golfbegeisterte den richtigen Abschlag. Knapp 67.000 registrierte Golfspieler gibt es hierzulande; etwa 50.000 sind aktive Golfer. Mehr oder weniger regelmäßig verbringen sie ihre Freizeit auf einem der 115 Golfplätze, die in den vergangenen Jahren zwischen Bodensee und Neusiedlersee entstanden sind. Bis 2010 dürfte sich die Zahl der Spieler verdoppeln, und die Anzahl der Golfplätze in Österreich auf etwa 185 steigen.

Golf macht süchtig

Doch wenn Schnee und Kälte das Spielen hier unmöglich machen, wird gereist. "Golf macht süchtig", weiß Adolf Kadanka vom Reisebüro Mondial. "Manche können es nicht erwarten, dass es Frühling wird und die Golfsaison beginnt." Viele flüchteten auf Plätze im Süden, hauptsächlich im Mittelmeerraum. Aber auch nach Südafrika oder Mauritius und neuerdings auch Thailand und Bali verschlage es Golfspieler im Winter.

60 Millionen GolfspielerInnen weltweit

Der Golftourismus hat sich zu einem gigantischen Geschäft entwickelt. Rund 60 Millionen Menschen jagen weltweit dem kleinen Ball hinterher. In Europa sind es etwa 3,6 Millionen Personen, die regelmäßig den Golfschläger schwingen, weiß Waltraud Neuwirth vom Österreichischen Golfverband. Schätzungen zufolge werden mit Golf jährlich rund elf Milliarden Euro umgesetzt, davon entfällt der Löwenanteil, 8,8 Milliarden Euro, auf die USA. 2,2 Milliarden Euro bringen Golfspieler in Europa und im Rest der Welt auf. Die Zuwachsraten im Golfreisegeschäft sind jedoch in Europa, zuletzt mit knapp zehn Prozent, am größten.

Golf und Reisen

Die erquickliche Verbindung von Golf und Reisen wird auch in Österreich immer mehr geschätzt. So findet im Jänner in Wien gleichzeitig die Golf- und die Ferien-Messe statt. Wolfgang Fischer, Inhaber und Geschäftsführer des Spezial-Reiseveranstalters "Golfreisen mit Schwung", schätzt, dass etwa 40 Prozent der Österreicher, die aktiv Golf spielen, ihren Schläger in den Urlaub mitnehmen; das sind rund 20.000 Personen. Mitte der 90er-Jahre hat sich "Golfreisen mit Schwung" mit einem eigenen Katalog auf den Markt gewagt. "Seit 1998 geht die Post so richtig ab", sagt Fischer. Aus einer Freizeitbeschäftigung für wenige, vergleichbar mit Tennis vor 30 Jahren, ist ein Breitensport geworden. "Mit 700 bis 800 Euro ist man heute schon dabei", erzählt Fischer. "So viel kostet eine Woche Aufenthalt in einem Vier- oder Fünfsternehotel in Tunesien - Flug und Green Fee inklusive."

Spanien, Türkei und Tunesien als beliebteste Ziele

In Österreich hat sich mittlerweile ein halbes Dutzend Unternehmen auf Golfreisen spezialisiert. Die meisten großen Reiseveranstalter bieten ebenfalls Golfurlaube an - als "Abrundung des Programms", wie es heißt. "Spanien ist eine der Golf-Rennstrecken, wo alle hinwollen", berichtet Mondial-Mann Kadanka von seinen Erfahrungen. Golfurlauber hatten in den vergangenen Jahren großen Anteil am rasanten Aufstieg der Ferienregion Costa de la Luz sowie am touristischen Comeback der Costa del Sol. Allein an der "Sonnenküste" locken fast 40 Golfplätze. Sie bescherten der Region im Vorjahr Einnahmen von umgerechnet fast 545 Mio. Euro. Auch die Türkei und Tunesien sind beliebte Destinationen für Golfer. In der Türkei etwa entstand mit Belek und seinen vier Plätzen ein attraktives Golfsportzentrum. Im Mittelmeerraum rüsten die Länder von Ägypten bis Zypern ihr Golfangebot auf. Am Roten Meer wurden nach dem Platz in Sharm el Sheikh zwei weitere Anlagen bei Hurghada gebaut. In Tunesien warten bereits acht Plätze in allen Urlaubsregionen auf Spieler. Und in Marokko sorgt der König als passionierter Golfspieler mit dafür, dass um Agadir und Marrakesch neue Anlagen entstehen. Zypern verdoppelt gerade sein Golfplatz-Angebot, von zwei auf vier.

Und was treibt Spieler dazu, möglichst viele Golfplätze auf der ganzen Welt abzuklappern? "Beim Golf ist nichts genormt, jeder Golfplatz ist anders", erklärt Waltraud Neuwirth vom Golfverband. "Das macht einfach Spaß." (DER STANDARD | RONDO | Günther Strobl)

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