Mit virtueller Hilfe dem Finanzminister nichts schenken

17. Jänner 2002, 10:41
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Taxon.at bietet Onlinesteuerberatung für Lohnsteuerpflichtige

"Internen Berechnungen der Beamten zufolge schenken die lohnsteuerpflichtigen Österreicher dem Finanzminister pro Jahr 200 bis 300 Millionen Euro (2,75 bis 4,13 Mrd. S), weil sie nicht wissen, was sie absetzen können. Und diese Berechnungen sind schon gut drei Jahre alt" - der Wiener Wirtschaftstreuhänder Thomas Kollaczia-Putz plaudert "Beamtengeheimnisse" des Hauses in der Himmelpfortgasse nicht uneigenützig aus. Er gründete mit dem IT-Techniker und TU-Lektor Kurt Judmann die Onlinesteuerberatung Taxon, eines der ersten derartigen Angebote, das sich nicht an Einkommensteuer-, sondern an die vier Millionen ös- terreichischen Lohnsteuerpflichtigen - Arbeitnehmer und Pensionisten - wendet.

Gratispart und kostenpflichtiger Teil

Seit 3. Jänner ist der Dienst online. Er gliedert sich in einen Gratispart und in einen kostenpflichtigen Teil. Gratis und anonym lässt sich zunächst berechnen, was das Steuerguthaben sein könnte - "bis zu fünf Jahre rückwirkend, was auch nur wenige wissen", so Kollaczia-Putz im STANDARD-Gespräch.

Mensch prüft nach

Ist das potenzielle Guthaben höher als 96 EURO (der Preis für das Taxon-Fullservice inklusive Antragstellung beim Finanzamt), sollte die Sache interessant werden. Kollaczia hofft heuer auf 50.000 Klienten, die das volle Programm in Anspruch nehmen. Inkludiert ist auch eine reale Überprüfung durch einen "lebendigen Steuerberater" auf Plausibilität. Sollte diesem etwas wider- sprüchlich erscheinen, werde der User per E-Mail darauf aufmerksam gemacht.

Ein Beispiel für Steuergeschenke an den Finanzminister könnte sein: Der Beruf einer verheirateten Frau mit einem Kind und einem Monatsbruttoeinkommen von 2180 EURO erfordert Englischkenntnisse - die Kosten des Sprachkurses werden aber nicht abgesetzt. Bei einem Preis von beispielsweise 1090,90 Euro bekäme man 356,10 Euro rückerstattet (Alleinverdienerabsetzbetrag und das Überschreiten der Werbungskostenpauschale vorausgesetzt), rechnet Kollaczia den Nutzen vor.

"Steuerberatung ist ein klassisches Anwendungsgebiet für die neuen Technologien."

Das Taxon-Berechnungssystem entstand in einer Diplomarbeit an der Technischen Universität Wien, wobei Kollaczia die steuerrechtlichen Grundlagen beisteuerte. Judmann: "Steuerberatung ist ein klassisches Anwendungsgebiet für die neuen Technologien." Er verweist auf US-Vorbilder wie ezTax- Return.com - "auch wenn das US-Steuersystem ganz anders ist als unseres". (szem - Der Standard Printausgabe)

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