Erhöhung "nicht hinzunehmen"

17. Jänner 2002, 09:40
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Auch Nahverkehrsexperten gegen Öffi-Verteuerung in Wien

Wien - Die offensichtlich ins Haus stehenden Gebührenerhöhungen in Wien heizen nicht nur den Parteienstreit an. Auch Fahrgast- und Verkehrsgruppen sparen nicht mit Kritik an den erwarteten Preissteigerungen bei den Wiener Linien.

Tarifanhebungen wären "nicht hinzunehmen", erklärt Michael Palfinger von der "Arbeitsgemeinschaft Verkehrspolitik" im STANDARD-Gespräch. Die Rechnung "höhere Preise für höhere Kosten" sei eine "Milchmädchenkalkulation". So hätten Preisanhebungen von Verkehrsunternehmen im Umland zu Fahrgastrückgängen geführt - umgekehrt habe aber die "völlig unsubventionierte" Intervallverdichtung auf der Badner Bahn zu mehr Fahrgästen "und damit auch zu höheren Einnahmen" geführt.

Von den Wiener Linien bereits im Mai als "nicht schlecht" bezeichnete Schätzungen, wonach etwa die Jahreskarte von derzeit 377,90 Euro (5200 Schilling) auf 430 Euro (5916,92 Schilling) angehoben werden könnte, lägen weit über der Inflationsrate. Sogar in London - dem immer wieder zitierten Horrorbeispiel für die Folgen von Privatisierung im Öffi-Verkehr - gestatte die Preisbehörde Tarifanpassungen, die "höchstens die Inflationsrate minus einem Prozent ausmachen dürfen", so Palfinger.

Der Verkehrsexperte empfiehlt den Wiener Linien, Sparpotenziale im Einkauf ("der ULF ist eines der teuersten Fahrzeuge überhaupt") und alternative Geschäftsfelder zu suchen. Anstatt die Ringlinien "auszudünnen" könnte man etwa über "Kaffeehauswaggons für Touristen" nachdenken. Absurd? "In Berlin gibt es U-Bahn-Stadtführungen. Im Stundentakt." (Thomas Rottenberg, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.01.2002)

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