Konzernchef Craig Barret : Intel sieht keine rasche Erholung der Branche

17. Jänner 2002, 09:47
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PC-Markt und Kommunikationsbereich liegen "im Argen" - Solider Umsatz bei AMD

Die Konjunkturflaute hat dem weltgrößten Chiphersteller Intel 2001 einen dramatischen Ergebniseinbruch beschert. Der Reingewinn inklusive Akquisitionen brach im abgelaufenen Jahr um 88 Prozent auf 1,3 Mrd. Dollar (1,46 Mrd. Euro/20 Mrd. S) oder 0,19 Euro je Aktie ein. Rasche Erholung ist laut Angaben des Konzerns nicht in Sicht: Im ersten Quartal 2002 rechnet Intel mit einem Umsatz von 6,4 bis 7 Mrd. Dollar, ein Minus von rund 5 Prozent gegenüber dem Vorquartal und eine Stagnation gegenüber dem ersten Quartal 2001.

"Ein sehr schwieriges Jahr"

Konzernchef Craig Barret sprach am Mittwoch von "einem sehr schwierigen Jahr für die gesamte Industrie" und von einer "großen Herausforderung für Intel". Allein durch Abschreibungen auf Geschäftswerte wurden die Akquisitionskosten von Intel um 2,3 Mrd. Dollar erhöht. Der Reingewinn von Intel ohne Berücksichtigung der Akquisitionen ging 2001 um 70 Prozent auf 3,6 Mrd. Dollar zurück. Die Umsätze fielen um 21 Prozent auf 26,5 Mrd. Dollar.

Im vierten Quartal 2001 lag der Welt-Umsatz mit 6,98 Mrd. Dollar um 20 Prozent unter dem Vorjahreswert und damit leicht über den Analystenerwartungen. Das Nettoergebnis fiel um 77 Prozent auf 504 Mill. Dollar.

"Im Argen"

Intel-Zentraleuropachef Günther Thiel bezeichnete die Marktsituation als nachwie vor "schwierig". Im PC-Markt gebe es derzeit kein Wachstum und auch der Kommunikationsbereich, auf den sich die Intel-Forschung zuletzt konzentriert habe, liege derzeit "im Argen", sagte Thiel am Mittwoch zur APA.

Der Intel-Konzern konzentriert sich daher nun noch stärker auf die Kostensenkung. Die Gewinnmarge, die im Jahr 2001 rund 49 Prozent betragen hat, soll nun bis Ende März 2002 auf 50 Prozent verbessert werden. Für das Gesamtjahr hofft der Konzern auf eine Marge von 51 Prozent. Im Jahr 2000 hat der Konzern bereits 7.000 Stellen abgebaut, um 2.000 mehr als erwartet.

Preiskrieg

Intel dominiert rund 75 Prozent des weltweiten Mikroprozessor-Marktes. Seit einem Jahr leidet der US-Konzern unter der verlangsamten Konjunktur und einem Preiskrieg mit dem wichtigsten Rivalen Advanced Micro Devices (AMD), dem Hersteller der Prozessoren Athlon und Duron. Durch Einführung neuer Prozessoren - neue Pentium 4-Prozessoren und der erste 2 Gigahertz-Prozessor der Industrie - habe Intel aber wieder Marktanteile zurückgewonnen, sagte Barrett.

Auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz haben die Pentium 4-Prozessoren laut Regionalchef Thiel das Geschäft belebt. Dank der neuen Prozessoren und der Einführung des neuen Microsoft-Betriebssystems Windows XP sei es Intel gelungen, vor allem in dem am stärksten umkämpften Konsumenten-Bereich bereits verlorene Marktanteile zurückzugewinnen.

Steigerungen

Wie bereits im dritten Quartal sei Intel auch im letzten Jahresviertel in Deutschland, Österreich und der Schweiz stärker gewachsen als im weltweiten und im europäischen Schnitt. Im Konzern hat Intel im vierten Quartal seinen Umsatz gegenüber dem Vorquartal um 7 Prozent erhöht. In Deutschland, Österreich und der Schweiz sei das Intel-Geschäft mit den lokalen PC-Herstellern im selben Zeitraum um 30 bis 40 Prozent gestiegen.

Besonders starke Steigerungen habe es bei Notebooks im Konsumentenbereich gegeben. Im Steigen seien aber auch die Investitionen von Klein- und Mittelbetrieben im Serverbereich. Auch bei den Aufträge aus großen Unternehmen sei bereits eine Erholung erkennbar. Im Zuge der gängigen vierjährigen Abschreibungsfristen stünden bei einer Reihe von Unternehmen neue Investitionen an. Einige Aufträge seien bereits im vierten Quartal eingegangen. "In Dollars sollten sich die neuen Aufträge aus Großunternehmen vor allem im zweiten Halbjahr niederschlagen", so Thiel.

AMD erwartet soliden Gewinn

Der US-Chiphersteller Advanced Micro Devices (AMD) hatte für das vierte Quartal einen Verlust ausgewiesen nach einem Gewinn im Vorjahr. Beim Umsatz allerdings übertraf AMD sowohl die eigenen Erwartungen als auch die von Analysten

Im Gesamtjahr 2002 erwarte AMD einen "soliden Gewinn". Der erwartete Umsatzrückgang im ersten Quartal sei saisonal bedingt. Der Verkauf von PC-Pozessoren werde nahe am Rekordergebnis des vierten Quartals 2001 liegen. Dagegen erwarte AMD bei Datenspeichern weiterhin einen schwachen Absatz.(APA/reuters)

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