Die Chronologie der Judenverfolgung in Nazi-Deutschland

18. Jänner 2002, 16:36
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Berlin - Auf der Wannseekonferenz am 20. Jänner 1942 berieten Spitzenbeamte der Ministerien und der SS über die organisatorisch-technische Durchführung der "Endlösung der Juden-Frage". Die Nationalsozialisten verfolgten die Juden aber bereits seit ihrer Machtübernahme. Hier die wichtigsten Schlüsseldaten:

1933

30. Jänner: Adolf Hitler wird von Reichspräsident Paul von Hindenburg zum Reichskanzler berufen.

März: Die SA errichtet die ersten Konzentrationslager (KZ) für politische Gefangene.

Ab 1. April: Die NS-Regierung ruft zum Boykott aller jüdischen Geschäfte, Ärzte, Apotheker und Rechtsanwälte auf. Juden werden aus öffentlichen Ämtern entfernt, Künstler erhalten Auftrittsverbot.

1935

18. August: Ein neues Gesetz verbietet Eheschließungen zwischen so genannten "Ariern" und "Nichtariern".

15. September: Hitler verkündet die Nürnberger Rassengesetze. Sie ermöglichen die systematische Verfolgung der jüdischen Bevölkerung.

1937

September: Beginn der "Arisierung" der Wirtschaft: Zwangsverkäufe jüdischen Besitzes.

1938

9. November: Die Ermordung eines deutschen Legationssekretärs durch einen 17-jährigen polnischen Juden in Paris wird von Hitler zum Vorgehen gegen die jüdische Bevölkerung genutzt. Im Novemberpogrom (nach Nazi-Diktion als "Reichskristallnacht" bezeichnet), in der überall jüdische Einrichtungen zerstört werden, töten Schlägertrupps 91 Juden, etwa 35.000 werden verhaftet und ins KZ gebracht. Später werden alle jüdischen Geschäfte und Handwerksbetriebe geschlossen. Zudem wird den Juden der Besuch deutscher Schulen und von Kulturveranstaltungen verboten.

1939

Jänner: Eine Reichszentrale zur Förderung der jüdischen Auswanderung wird gegründet. Rasch ausreisen können aber nur jene, die dem Deutschen Reich ihr Vermögen vermachen oder freigekauft werden. Zudem werden alle jüdischen politischen Organisationen aufgelöst, der Mieterschutz für Juden aufgehoben und jüdischen Zahnärzten, Tierärzten, Apothekern, Heilpraktikern und Krankenpflegern Berufsverbot erteilt.

30. Jänner: Hitler kündigt für den Fall eines Krieges "die Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa" an.

1. September: Mit dem Einmarsch deutscher Truppen in Polen beginnt der Zweite Weltkrieg.

12. Oktober: Aus dem Reichsgebiet werden die ersten Juden nach Polen deportiert. Im Dezember beginnt der Abtransport von 550.000 Juden aus den angeschlossenen neuen Gebieten.

1940

15. November: In Warschau wird ein Getto eingerichtet, in dem 400.000 Juden eingepfercht werden.

1941

31. Juli: Reichsfeldmarschall Hermann Göring beauftragt den Chef des Reichssicherheitshauptamtes, Reinhard Heydrich, mit den Vorbereitungen zur "Endlösung der Judenfrage".

1. September: Von nun an müssen jüdische Bürger den Judenstern tragen.

3. September: Im KZ Auschwitz wird erstmals Zyklon B zur Vergasung von Häftlingen eingesetzt.

23. Oktober: Das Auswanderungsverbot für Juden tritt in Kraft.

1942

20. Jänner: Auf der Berliner Wannsee-Konferenz wird die organisatorisch-technische Durchführung der "Endlösung der Judenfrage" beraten.

17. März: Mit der Ankunft der ersten Deportierten im Vernichtungslager Belzec beginnt die Umsetzung des Plans der Wannsee-Konferenz.

22. Juli: Die ersten 5.000 Juden werden aus dem Warschauer Getto ins Vernichtungslager Treblinka abtransportiert. In den folgenden Monaten werden in Auschwitz, Chelmo, Majdanek, Sobibor und Treblinka die Opfer sofort nach der Ankunft zu Tausenden vergast.

1943

19. April: Die letzten 60.000 Juden im Warschauer Getto haben sich notdürftig bewaffnet und schlagen die eindringenden SS-Einheiten und Panzer zurück, unterliegen aber später.

11. Juni: SS-Chef Heinrich Himmler befiehlt die Liquidierung aller polnischen Gettos.

19. Juni: Propagandaminister Joseph Goebbels erklärt Berlin für "judenfrei".

November: Das Vernichtungslager Treblinka wird aufgelöst. Dort starben etwa 750.000 Menschen.

1944

12. Juli: Das Lager Birkenau wird aufgelöst. 4.000 der 12.500 Insassen werden vergast, die anderen abtransportiert.

23. Juli: Das Vernichtungslager Majdanek wird von der russischen Armee befreit.

4. August: Anne Frank und ihre Familie werden in Amsterdam verhaftet. Die 15-Jährige kommt vermutlich am 12. März 1945 im KZ Bergen-Belsen um.

26. November: Himmler befiehlt die Zerstörung der Gaskammern und Krematorien.

1945

27. Jänner: Das KZ Auschwitz wird von der russischen Armee befreit. Im Lager befinden sich noch 5.000 Juden. Anfang des Monats waren noch 66.020 Häftlinge gezählt worden. Viele starben auf einem Gewaltmarsch in Richtung Deutschland.

April: Die Briten erreichen Bergen-Belsen, die Amerikaner Dachau, die Sowjets Ravensbrück.

8. Mai: Deutschland kapituliert bedingungslos. Insgesamt wurden nach Schätzungen von Historikern sechs Millionen Juden ermordet.(APA/AP)

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