Antarktis-Expedition macht erste Funde

16. Jänner 2002, 19:51
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Österreicherin findet Hinweise auf Photosynthese im Eis

Patriot Hills/Wien - Vergangene Woche ist eine zehnköpfige Expedition aus Wissenschaftern und zahlungskräftigen Extremreisenden auf einer Eispiste in Patriot Hills, Antarktis gelandet. Ziel der Forscher: Finden von Meteoriten zur geologischen Analyse und von Mikroorganismen, die Aufschlüsse über extraterrestrisches und irdisches Leben in ursprünglicher Form geben könnten.

Nun liegen erste Funde vor. "Wir haben", berichtet Birgit Sattler von der Uni Innsbruck dem STANDARD, "die ersten Eiskerne genommen, die viel versprechend nach mikrobieller Aktivität aussehen. Manche Teile weisen einen grünlichen Schimmer auf, was auf photosynthetische Aktivität hinweisen könnte." Freudig erregt, dass die Verbindung mit dem Satellitentelefon Iridium klappt, fügt sie hinzu: "Sicher ist, dass es die ersten Eiskernbohrungen an dieser Stelle des Kontinents sind." So südlich wurden noch keine solchen Proben gezogen.

"Extremisten finden"

Sattler leitet die Arbeitsgruppe "Mikrobiologie in Eis und Schnee" der Expedition. "Wir sind dabei immer bestrebt, die Extremisten des Lebens zu finden", hier konkret kälteliebende Mikroorganismen.

Doch die Mission sitzt wegen anhaltenden Schlechtwetters fest, ohne wie geplant in einer DC-3 zum geographischen Südpol vorstoßen zu können. "Den Marathonläufern unter uns", berichtet Extremreisender Richard Garriott aus dem Camp, "läuft die Zeit davon. Das sollte der erste Marathon auf dem Kontinent werden." Die anderen warten eingehüllt in Daunenjacken, Handschuhen und Mützen in Zwei-Personen-Zelten und bangen um einen Teil der Ausrüstung, der bei einem anderen Camp näher am Pol vor Tagen abgeworfen worden und nun wohl eingeschneit ist.

Am Südpol hofft Sattler Meteoriten zu finden. "Im Prinzip", erläutert sie die Suche, "verläuft sie wie bei der Lawinensondierung. Wird ein Meteorit gefunden, wird er per GPS (Global Positioning System) aufgenommen, fotografiert und steril verpackt." Von manchen nehmen die Forscher mit Diamantsägen kleinste Proben für weitere Analysen im Marshall Space Flight Center der Nasa. Ausnahme: Mikrobiologische Proben kommen per Eilkurier über Chile an die Uni Innsbruck.

Meteoriten gelten Geologen als Zeitkapseln. Rund 100 Millionen Jahre älter als die Erde, könnten sie Rückschlüsse auf die Planetenbildung geben. "Die meisten stammen vom Asteroidengürtel", weiß Sattler, "zirka 500 Millionen Kilometer von der Erde entfernt, manche von Mond oder Mars." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17. 1. 2002)

Von Roland Schönbauer
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