Depression: 50 Jahre alte Wurzel

16. Jänner 2002, 19:14
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Kopfverletzungen wirken viel länger nach als angenommen

Durham/Maloney - Zwei Studien belegen nun Spätfolgen von Gewalt gegen den Kopf: Menschen mit Kopfverletzungen hatten Jahrzehnte später noch Depressionen, bei Mäusen förderten leichte Kopfstücke Alzheimer.

Bekannt war, dass Kopfwunden im ersten Jahr danach zu depressiven Symptomen führen können. Doch Brenda Plassman von der Psychiatrie der Duke University in Durham, North Carolina, fand an 1700 Kriegsverletzten der Jahre 1944 und 1945 mehr heraus: Noch ein halbes Jahrhundert später zeigten 18,5 Prozent Depressionen, aber nur 13,4 Prozent der Unverletzten.

Ob die Kopfwunde im Kampf oder etwa durch einen Autounfall im Krieg entstand, schlug sich nicht in unterschiedlichen Ergebnissen nieder. Weiteres Detail: Je schwerer die Verletzung, desto stärker die Depression.

"Der Anstieg", schreibt die Forscherin über den Vergleich mit Gleichaltrigen ohne Kriegserfahrung, "kann nicht mit einer Krankengeschichte mit Herzinfarkt, Hirnschlag oder Alkoholmissbrauch erklärt werden." Womit sonst, ist ungeklärt.

Alzheimerförderung

Indes liefern Forscher unter der Leitung von Kunihiro Uryu die Erklärung für Demenz bei Boxern und eine Warnung an Fußballer: Leichte Schläge aufs Haupt und leichte Kopfverletzungen beschleunigen die Entwicklung von Alzheimer.

Diesen Schluss ziehen sie aus Versuchen an speziellen Genmäusen, deren Köpfchen sie nach Sedierung immer wieder Stößen aussetzten. Danach maßen sie Eiweiße im Gehirn, die für Alzheimer charakteristisch sind. Damit gelang der University of Pennsylvania in Maloney, Philadelphia, der erste experimentelle Nachweis für diesen Zusammenhang. (rosch, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17. 1. 2002)

Vgl. Archives of General Psychiatry Vol. 59, S. 17 und Journal of Neuroscience Bd. 22, S. 446
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