Kopf des Tages: Prinz Harry: Ein Schelm, der seinen Ruf voll ausnützt

17. Jänner 2002, 15:22
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Das mag seiner Uroma - immerhin Queen Mum - ein bisserl den Genuss am täglichen Gin verdorben haben: Prinz Harry hat so heftig zum Pint gegriffen (und das bisweilen im Pub, nach der Sperrstunde!), dass er eine "Rehabilitationskur" absolvieren musste. Maßnahmen gegen Suchtmittel anderer Art inbegriffen, denn der 17-jährige Vorzugsschüler steht auch im Geruch, Haschisch geraucht zu haben.

Grundsätzlich erschüttert das ein wenig die These, der zufolge vorwiegend an den Rand der Gesellschaft gedrückte Jugendliche zu Drogen greifen - obwohl: In diesem Fall könnte es der andere, obere Rand sein, der des dauernd Hofierten. Und an familiärer Zerrüttung mangelte es in diesem Fall auch nicht.

Nach seiner Geburt am 15. September 1984 blieb Prinz Henry Charles Albert David (Harry ist sein Rufname) wenig Zeit, sein Dasein als Nesthäkchen zu genießen. Mama Diana, Prinzessin durch Heirat mit Kronprinz Charles, gab schon ein Jahr später Anlass zu Spekulationen über eine Ehekrise. Diese (weitgehend öffentlich ausgetragene) Krise dauerte, bis das "niedliche Prinzchen" ein Bub im zwölften Lebensjahr war. Dann wurde die Ehe seiner Eltern geschieden. Ihm blieb zusätzlicher Spott von Schulkollegen, wegen seiner Sommersprossen und des roten Haars könnte er auch der Sohn des Reitlehrers James Hewitt sein. Ein Liebesverhältnis mit diesem hatte Diana ja eingestanden. Dennoch, Harry blieb, jedenfalls öffentlich sichtbar, ein pfiffiger Bub.

Den bisher schwersten Schlag hat er offensichtlich ein Jahr später durch Dianas Unfalltod erlebt. Die Welt sah zu, wie er mit verweintem Gesicht dem Sarg seiner Mutter folgte, tagelang soll sich der 13-Jährige eingeschlossen haben, vier Monate später brachte ihn Papa Charles auf andere Gedanken; unter anderem durch eine Zusammenkunft mit den Spice Girls, die der Popmusikfan Harry seine Lieblingsgruppe nennt.

Inzwischen weiß die britische Boulevardpresse zu berichten, dass der auf 1,80 Meter aufgeschossene Prinz im Gegensatz zu seinem als verschlossen geltenden Bruder William ein "Schelm und Draufgänger" ist. Was ihn nicht daran hindert, in der Nobelschule von Eton exzellente Leistungen zu erbringen.

Zum "Draufgänger" gehören seine Vorliebe für Actionfilme und seine aktiv ausgeübten Lieblingssportarten Rugby und Polo. Zum "Schelm" könnte man - neuestem Wissen über ihn folgend - seine voriges Jahr geäußerte Empörung über eine TV-Dokumentation zählen, in der behauptet wurde, seine Mutter Diana habe seinerzeit für Reitlehrer Hewitt und dessen Mutter Gebranntes aus dem königlichen Spirituosenkeller geklaut.

Aber wer weiß denn schon, was dort wirklich vorgeht; geschweige denn in Prinz Harry. (DER STANDARD, Print, 17.1.2002)

Klaus-Peter Schmidt
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