OMV will regionaler Spritdominator werden

16. Jänner 2002, 17:50
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Vorstand Roiss: Tankstellennetz und Raffineriekapazität werden stark ausgebaut

Wien - Die OMV drückt beim Auftanken der Region zwischen Bodensee und Schwarzem Meer noch stärker aufs Gas. Ziel des Konzerns ist, in den EU-Kandidatenländern so wie schon jetzt in Österreich (Marktanteil 40 Prozent) bei Sprit und anderen Ölprodukten zum Dominator zu werden. "Flächenmäßig ist die Expansion beendet, nun gehen wir in die Tiefe", sagt Gerhard Roiss, seit Jahresanfang OMV-Raffinerie- und Marketingvorstand. Außer in Polen ist die OMV in ganz Mittel- und Osteuropa präsent.

Derzeit betreibt die OMV insgesamt 1160 Stationen in Mittel- und Osteuropa, davon 534 im Inland und 626 Tankstellen im Ausland, davon 481 in den Reformländern und 145 in Bayern und Norditalien. Heuer werden die Österreicher ihr Tankstellennetz auch über Jugoslawien und Bosnien-Herzegowina spannen, zunächst nur mit einer Hand voll Zapfstationen.

Regionale Kompetenzzentren

Um den Konzern für das angepeilte Wachstum fit zu machen, wird das nach Ländern aufgestellte Tankstellengeschäft künftig als eine regionale Einheit geführt, wobei es neben dem Hauptquartier in Wien regionale Kompetenzzentren geben wird. Grund für den internen Umbau: "Wir müssen in EU-Dimensionen denken, handeln und strukturieren und gleichzeitig die europäische Integration der Reformländer vorwegnehmen."

Um die geplante Verdoppelung des Marktanteils und die Expansionspläne abzusichern, bedürfe es einer "Rückwärtsintegration" des Marketingsektors. Dazu gehören laut Roiss neben dem Kauf oder Bau neuer Stationen der Aufbau von Distributionszentren an der Donau-Schiene und Kooperationen oder sogar ein Einstieg bei Ost-Raffinerien. "Big Spender" will der OMV-Vize aber nicht spielen: "Wir werden nicht krampfhaft mit der Geldbörse durch die Lande ziehen." Um an die nötigen Produkte heranzukommen, sei man für alles offen, von sehr losen Lieferverträgen über eine Arbeitsteilung bis zu direkten Beteiligungen.

Investitionsbudget wird erhöht

Damit die dafür benötigten Mittel nicht zum Problem werden, steht eine Erhöhung der Investitionsbudgets ins Haus. Gemäß geltendem Plan, der aber in Kürze Makulatur wird, hat Roiss in den nächsten drei Jahren 800 Mio. Euro (elf Mrd. S) zur Verfügung.

Dabei muss ein Rädchen ins andere greifen: Um den Eigenölanteil von jetzt 50 Prozent bei der angestrebten Verdoppelung der Zahl der Tankstellen in der Region zu halten, muss auch die Verarbeitungskapazität von jetzt zehn Mio. Tonnen auf 20 Mio. Tonnen verdoppelt werden. Dies dürfte kein Problem sein, schließlich gibt es in der Region sogar zu viele Verarbeitungsanlagen.

Rot-weiß-rote Reviere

Wenn auch Roiss nicht kommentieren will, warum die Multis in der Region (ausgenommen Shell) im Vergleich zu ihrer Größe so unterrepräsentiert sind, liegt dies für Insider auf der Hand: Viele kleine Ländermärkte mit unterschiedlichen gesetzlichen Rahmenbedingungen stehen der raschen Eroberung der Märkte entgegen. Mit den regionalen Eigenarten muss sich die OMV zwar auch herumschlagen, man könne aber zusätzlich die historische Karte ins Spiel bringen, meint Roiss. (Clemens Rosenkranz, DER STANDARD, Printausgabe 17.1.2002)

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