Geheime Geldvernichtungsaktion

18. Jänner 2002, 13:48
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Den Schillingmünzen schlägt in einer Fabrik nahe Wien die Stunde - Schotterschrott bringt zehn Millionen Euro

Wien - Aus den Geldbörseln der Österreicher sind sie mehr oder weniger verschwunden. Dafür haben die Banken Berge davon gesammelt - und müssen sie nun entsorgen: Mehrere Lkw-Ladungen Schilling- und Groschenmünzen werden täglich an die Rampe einer riesigen Lagerhalle bei Wien geliefert. Dort werden die Öschis "verstaltet", wie die Fachleute sagen. Etwas prosaischer formuliert: Der Schotter wird sortiert und durch zwei so genannte Decoiner gedreht, die Münzen sehen danach so gewellt aus wie italienische "Gettoni" (Telefonjetons).

Verschrottung rund um die Uhr

In der Fabrik herrscht ein Höllenlärm: Wöchentlich werden an die 400 Tonnen Münzen angeliefert. Mehr als 70 Leute sind zurzeit rund um die Uhr im Verschrottungseinsatz. Der größte Teil der Metallmarie werde vermutlich im April verstaltet sein, schätzt Euro-Projektleiter Thomas Kubaczek von der Münze Österreich. Dort geht man davon aus, dass 3,1 bis 3,2 Milliarden Stück im Nennwert von mehr als vier Milliarden Schilling zurückkommen werden. Das entspricht einem Gewicht von rund 10.000 Tonnen und einem Schüttvolumen von etwa 3000 Kubikmetern. Ungefähr ein Drittel davon sei bereits geschafft, damit liege man im Plan, sagt Kubaczek.

Abnehmer der verstalteten Münzen ist ein großer Schweizer Buntmetallhändler, der den Schillingschrott weiterverkauft. Ein- und Fünf- Groschen-Stücke aus Zink etwa finden als Grundstoff in der Reifenindustrie Verwendung. Zwei- und Zehn-Groschen-Münzen aus Aluminium können bei der Stahlproduktion beigemischt werden.

"Wiedergeburt"

Aus 50-Groschen- und Ein- Schilling-Stücken - sie machen den Großteil der Münzen aus - wird wieder Münzgeld. Ihre Legierung eignet sich aber auch für Autobremsleitungen oder seewasserresistente Armaturen an Pipelines. Fünfer und Zehner werden so wie die 20-Schilling-Stücke auch als neue Münzen "wiedergeboren".

Davor leisten aber die Zerstörer ganze Arbeit: Jeder der beiden Decoiner macht pro Stunde 3000 Kilo Münzen kaputt, insgesamt sind es 100 Tonnen im Tag. Die gewellten Exemplare werden in so genannten Big Bags gesammelt, fast mannshohe Säcke aus Kunststoff, deren Reißfestigkeit staunen lässt: Ihr Inhalt wiegt bis zu zwei Tonnen.

Zehn Millionen Euro Erlös

Österreich gehöre in Sachen Altwährungsvernichtung zu den "schnellsten" Euroländern, sagt Kubaczek. Pannen oder gar Diebstähle seien bisher nicht vorgekommen. Der Verkauf des Schillingschrotts soll rund zehn Millionen Euro bringen - das ist mehr als für das alte Papiergerstl hereinkommt. Das nämlich landet geschreddert in der Fernwärme. (APA, chr)

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