Paukenschlag in Finanzaffäre "General Partners"

16. Jänner 2002, 16:20
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Vorstände aus U-Haft entlassen - Verfahren weiter anhängig

Wien - Die vier früheren Vorstände und Aufsichtsräte der General Commerce Bank und der General Partners Immobilienbesitz, die wegen Verdachts auf Finanzbetrug im August 2001 in Untersuchungshaft genommen worden waren, sind enthaftet. Nach einer Haftverhandlung des Landesgerichts Wien sind nun alle vier Personen (Wolfgang Kössner, sein Bruder Martin Kössner sowie Corinna Chwala und Anton Kollmann) ohne Kaution frei gekommen, wie Gerichtssprecher Friedrich Forsthuber am Mittwoch mitteilte.

Als Grund für die Enthaftung nannte der Sprecher die "lange Untersuchungshaft". "Im Prinzip" seien dafür laut Gesetz sechs Monate veranschlagt (lediglich bei Kapitalverbrechen wie Mord maximal 2 Jahre möglich). Das Verfahren selbst ("Voruntersuchung") sei freilich "weiter anhängig", sagte Forsthuber. Zu einer möglichen Anklage könne es erst kommen, wenn ein Sachverständigengutachten vorliege.

40 Millionen Euro Schaden

Von der Staatsanwaltschaft wird den Ex-Managern der General Partners Gruppe laut "Kurier" (Mittwochausgabe) ein betrügerischer Schaden von mehr als 40 Mill. Euro (fast 600 Mill. S) angelastet.

Den Stein ins Rollen gebracht hatte eine Anzeige der Hypo-Alpe-Adria Bank, Klagenfurt, an die Staatsanwaltschaft im vergangenen Sommer. Darin war der Vorwurf erhoben worden, dass Wolfgang Kössner - der angebliche "Kopf" der General Partners-Gruppe - über ein verschachteltes Firmennetz Vermögensdelikte begangen habe, durch die Anleger und Geldgeber um mehrere hundert Millionen Schilling geschädigt worden seien. Dabei soll Kapitalgebern eine falsche Vermögenslage vorgespiegelt worden sein, um die anvertrauten Gelder für eigene Zwecke zu verwenden, hatte es in der in Medien kolportierten Sachverhaltsdarstellung der Hypo geheißen, die selbst um mehr als 100 Mill. S umgefallen sein soll. Kössner wird von der Kärntner Hypo verdächtigt, die Mittel in liechtensteinischen Stiftungen geparkt zu haben.

Anschlusskonkurs

Die börsenotierte General Partners Immobilienbesitz (GPI) ist seit Dezember 2001 im Anschlusskonkurs (Prüfungstagsatzung: 30. Jänner 2002), nachdem die Voraussetzungen für einen Ausgleich nicht erfüllt werden konnten. Ebenfalls zusammen gebrochen ist das einst mehrheitlich zur General Partners-Gruppe gehörende, börsenotierte Wiener Brokerinstitut General Commerce Bank (vormals WMP Bank), die im August 2001 pleite gegangen ist und deren Geschäftsbetrieb bereits liquidiert wurde. (APA)

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