Barrichello zwischen Selbstbewußtsein und Frust

17. Jänner 2002, 10:53
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Der Brasilianer glaubt an seine WM-Chance

Madonna di Campiglio - "Wasserträger" Rubens Barrichello rechnet sich trotz Michael Schumacher echte WM-Chancen aus und hat auch keine Angst vor Juan Pablo Montoya als möglichen Nachfolger bei Ferrari. "Ich glaube an meine Titelchance, obwohl Michael mein Teamkollege ist", sagte der brasilianische Formel-1-Pilot am Mittwoch in Madonna di Campiglio. "Wenn ich erstmals aufwache und denke, ich kann nicht mehr gewinnen, dann höre ich auf."

Während sich Barrichello bei der traditionellen Ferrari-Skiwoche den etwa 100 Medienvertretern stellte, wedelte der Weltmeister schwungvoll die Kunstschneepisten in dem dieses Jahr weitgehend grün-braunen Skiparadies in den Dolomiten hinunter. Schumacher genoss mit seiner Frau Corinna und einigen Freunden entspannt den Sonnenschein und die malerische Bergwelt. Sein erster großer öffentlicher Presseauftritt drei Monate nach dem Saisonende steigt am Donnerstag.

Der Glaube an die eigene Courage

Barrichello stellte derweil seine Ansprüche auf die WM-Krone bei dem am 3. März in Melbourne beginnenden Championat: "Ich hoffe auf ein WM-Rennen zwischen den beiden Ferrari." Allerdings schien der zwischen Selbstbewusstsein und Unsicherheit schwankende Südamerikaner seiner Courage manchmal selbst nicht zu trauen. "So lange ich das gleiche Auto wie Michael erhalte, ist es egal, wer die Nummer eins und zwei ist, auch wenn das mit Michael sehr schwierig ist", sagte der 29-Jährige und räumte indirekt ein, dass er sich mit der Nebenrolle hinter Hauptdarsteller Schumacher abgefunden hat. Seine beim Antritt vor zwei Jahren erhobene Forderung, als "Nummer 1B" quasi auf "Augenhöhe" mit dem Deutschen zu stehen, bezeichnete Barrichello als Schnee von gestern. "Das ist nicht mehr wichtig."

Auch wenn der bei kritischen Fragen häufig gekränkt wirkende "Schattenmann" verbal zu kontern versuchte, klang immer wieder Frust über Benachteiligung im Team durch. "Entscheidend ist, dass wir das gleiche Auto haben, und alle technischen Daten sind offen", versicherte er zwar. "Aber ich genieße vielleicht 30 bis 35 Prozent der Aufmerksamkeit." Diese wachse zwar. Aber erst wenn es hier 50:50 stehe, sei er in einer wirklich guten Position.

Montoya der Kronprinz?

Als ob der übermächtige Teamkollege nicht schon "Strafe" genug wäre, sieht sich der WM-Dritte des Vorjahres auch ständiger Konkurrenz von außen ausgesetzt. Als neuester heißer Kandidat für das zweite Ferrari-Cockpit anstelle Barrichellos gilt Montoya. Der aggressive und selbstbewusste Williams-BMW-Pilot zählt zu den aussichtsreichsten Thronfolgern, wenn König "Schumi I" einmal abdankt. "Ich mache mir keine Sorgen", versicherte Barrichello, dessen Vertrag nach dieser Saison endet. "Wenn ich gute Arbeit leiste, habe ich auch eine Zukunft bei Ferrari."

Zumindest privat ist bei Barrichello alles in Butter. Söhnchen Edoardo, inzwischen sechs Monate alt und sieben Kilogramm schwer, sei "ein wahrer Goldschatz. Ich fühle mich sehr wohl als Vater. Das ist wunderschön." (APA/dpa)

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