Opel: Größter Verlust der Firmengeschichte

17. Jänner 2002, 14:12
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Stellenabbau wird beschleunigt - Modelloffensive angekündigt - Belegschaft droht mit Streik

Frankfurt - Nach dem höchsten operativen Verlust in der mehr als 100jährigen Firmengeschichte will Opel den Stellenabbau beschleunigen und den Beschäftigten zwei Nullrunden verordnen. 2.500 Stellen sollen möglichst noch 2002 gestrichen werden, kündigte Opel-Chef Carl-Peter Forster am Mittwoch an. Ursprünglich das bis 2003 vorgesehen. Mit einem Minus von 674 Mill. Euro (9,27 Mrd. S) hat Opel 2001 einen Rekordverlust im operativen Geschäft eingefahren. Aufgrund weiter rückläufiger Autoverkäufe wurde damit der Betriebsverlust von 2000 noch um 34 Prozent übertroffen. Dank hoher Dividendenzahlungen der im Jahr 2000 erworbenen Opel Bank blieb trotz der Misere im Autogeschäft unter dem Strich aber ein Plus von 87 Mill. Euro. Die Umsatzerlöse von Opel verringerten sich 2001 auf 16,024 Mrd. Euro (2000: 17,121 Mrd. Euro). Die Zahl der Mitarbeiter sank auf 37.707 gegenüber 42.668 im Jahr 2000.

Auch für dieses Jahr geht Opel von einem operativen Verlust aus. 2002 werde für die Autoindustrie in Deutschland und in anderen Ländern Europas angesichts der schwierigen Branchenkonjunktur ein schwieriges Jahr, prognostizierte Finanzchef Walter Borst.

2003 in die Gewinnzone

2003 wolle das Unternehmen aber die Gewinnschwelle erreichen, betonte Vorstandschef Forster. Er kündigte heute zudem eine "Modell-Offensive" an: Etwa alle 6 Monate soll künftig ein neues Fahrzeug vorgestellt werden.

Betriebsrat droht mit Streik

Der Betriebsrat wies einen eingereichten Forderungskatalog der Geschäftsleitung zur Reduzierung der Personalkosten strikt zurück. Die Arbeitnehmer sollten nach den bereits vereinbarten Einschnitten nicht erneut für die Krise zahlen. Nach Angaben des Betriebsratschef in Bochum, Peter Jaszczyk, hat der Vorstand verlangt, für die Jahre 2002 und 2003 eine Nulllohnerunde durchzuhalten. Ferner solle das Weihnachtsgeld von 100 auf 55 Prozent gekürzt werden. Und das Jubiläumsgeld für langjährige Mitarbeiter solle entfallen. "Das geht an den Nerv. Das machen wir nicht mit. Da ist bundesweit Ärger vorprogrammiert - bis zum Streik".

Zu hohe Kosten

Die maßgebliche Gründe des Rekordverlustes lägen in "zu hohen Struktur-, Vertriebs- und Verwaltungskosten, Überkapazitäten, nicht ausreichenden Deckungsbeiträgen sowie in einem zu kleineren Modellen hin verschobenen Modellmix", erläuterte Forster. Nichtsdestotrotz habe Opel im vergangenen Jahr Rekordinvestitionen von rund 900 Mill. Euro getätigt. "In den Jahren 2002 bis 2006 werden europaweit Investitionen von zehn Milliarden Euro in die Modelloffensive und Entwicklung von Opel- und Vauxhall-Fahrzeugen geleistet."

Modelloffensive

Forster kündigte eine Modelloffensive an: "Bei Opel steht jetzt das Produkt im Mittelpunkt. Wir werden durchschnittlich alle sechs Monate ein neues Fahrzeug vorstellen. Dazu haben wir all unsere Kräfte gebündelt. General Motors unterstützt uns dabei uneingeschränkt."

Restrukturierungsprogramm

Die künftige Wettbewerbsfähigkeit sichere Opel durch das Restrukturierungsprogramm "Olympia". Neben dem Stellenabbau will die Firmenleitung die Zahl der Opel-Autohäuser und -Werkstätten von derzeit knapp 2.300 auf etwa 1.700 senken. Opel leidet wie die ebenfalls zum General-Motors-Konzern zählenden Marken Saab und Vauxhall unter einer Überkapazität von insgesamt bis zu 350.000 Fahrzeugen pro Jahr. (APA/AP/Reuters/dpa)

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