Zypern - "Insel der Aphrodite"

16. Jänner 2002, 14:41
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Nikosia/Wien - Mit den direkten griechisch-türkischen Volksgruppengesprächen auf Zypern sind die Bemühungen zur Überwindung der 27-jährigen Teilung der "Insel der Aphrodite" wieder in Gang gekommen. Nach dem Treffen von Präsident Glafcos Clerides und Türkenführer Rauf Denktas am Mittwoch sprach der UNO-Beauftragte Alvaro de Soto in Nikosia von einem "sehr ermutigenden Start". Der türkische Außenminister Ismail Cem sieht die "beste Chance der vergangenen Jahre". Die Europäische Union drängt wegen der geplanten EU-Aufnahme Zyperns auf eine rasche Lösung.

Die Vorstellung, dass griechische und türkische Zyprioten eines Tages eine kleine "Schweiz" im östlichen Mittelmeer bilden könnten, gehört aber noch in den Bereich der Utopie. Erzwungen wurde die Annäherung durch die Perspektive des EU-Beitritts der international anerkannten Republik Zypern und durch die Entschärfung der Gegensätze zwischen den beiden "Mutterländern" Griechenland und Türkei.

Der Zypern-Konflikt als griechisch-türkischer "Familienstreit" innerhalb der NATO erweist sich als Anachronismus, und der Teilungsgedanke, der sich nach der türkischen Invasion 1974 mit der Errichtung des Denktas-Separatstaates durchsetzte, ist überholt. Das Zypriotentum sollte im neuen Europa zu einer Brücke zwischen Griechenland und der Türkei werden.

Als am 20. Juli 1974 türkische Luft- und Seestreitkräfte auf Zypern landeten, reagierte die von dem Sozialdemokraten Bülent Ecevit geleitete Regierung in Ankara damit auf den von der Athener Junta inszenierten Putsch gegen den zypriotischen Präsidenten Erzbischof Makarios vom 15. Juli. Der Coup griechischer Ultranationalisten war von blutigen Ausschreitungen gegen die türkisch-zypriotische Volksgruppe begleitet.

Die türkische Militärintervention bewirkte zwar den Zusammenbruch des Athener Obristenregimes, hatte aber auch die Teilung der Insel zur Folge. Türkische Truppen besetzten fast 40 Prozent des Territoriums, nahezu 200.000 griechische Zyprioten wurden aus dem okkupierten Norden vertrieben und ihrer wirtschaftlichen Grundlagen beraubt.

Ankara konnte sich auf die Verträge von Zürich und London (1959) berufen, welche die Garantie der Unabhängigkeit Zyperns durch die drei Vertragspartner Großbritannien, Griechenland und Türkei mit dem Recht der gemeinschaftlichen oder separaten Intervention verknüpften. Der UNO-Sicherheitsrat akzeptierte diese Auffassung jedoch nicht und verurteilte das türkische Eingreifen.

Kurz vor Inkrafttreten des von den USA vermittelten Waffenstillstands kam es auf Zypern zu Grausamkeiten der türkischen Invasionstruppen - willkürliche Erschießungen, Massenvergewaltigungen, Folterungen und Plünderungen. Über 2000 Menschen verschwanden spurlos. (APA)

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