Eberharter vor Abfahrts-"Grand Slam"

17. Jänner 2002, 11:45
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Nach Siegen in Vald'Isere, Gröden und Wengen fehlt "nur" noch die Streif in Kitzbühel

Kitzbühel - Im Pressenzentrum von Kitzbühel herrschte reges Treiben, alle warteten gespannt auf den Auftritt von Hermann Maier. Einen ließ das aber völlig kalt. Stephan Eberharter verzichtete wie einige ÖSV-Läufer am Mittwoch auf den zweiten Lauf und startete sein Ersatzprogramm: "Regeneration. Zwei Trainingsläufe sind einfach genug", erklärte er. Der Führende im Gesamtweltcup kam mit einer inneren Ruhe und großem Selbstvertrauen nach Tirol, wo er nach Siegen in Val d'Isere, Gröden und Wengen den vierten Klassiker in dieser Saison gewinnen könnte.

Doch - und das weiß gerade Eberharter - Kitzbühel ist anders. Im Vorjahr schaffte er als Dritter das erste Mal seit seiner Streif-Premiere im Jahr 1991 ("Da war ich in der Kombi Fünfter, zwei Wochen später war ich Weltmeister") den Sprung aufs Stockerl. Ansonsten hat er sich vor allem ein positives Detail mitgenommen. "In elf Jahren hat es mich noch nie hingelegt", sagte er und klopft auf Holz. Gerade in Zeiten wie diesen enorm wichtig. "Im ersten Training hat man wieder gesehen, wie gefährlich unser Job sein kann. Man muss hier einfach mit voller Konzentration fahren, darf sich nicht die geringste Unachtsamkeit leisten."

Die Kraft des Siegers

Umso besser ist es da, mit der Kraft des Siegers in die Gamsstadt zu kommen. "Es fährt sich auf jeden Fall leichter", weiß der 32-Jährige. Trotzdem sind Geist und Körper gerade hier auf einem anderen Level. "Man beschäftigt sich das erste Mal mit dieser Abfahrt, wenn man anreist. Und wenn man dann zur Besichtigung geht, reagiert der Körper von alleine, man steht gewissermaßen unter Strom", weiß er. Und gerade da kommt dann das Selbstvertrauen ins Spiel. "Wenn es einem so gut geht wie mir heuer, dann macht auch auf der Streif das Runterfahren Spaß."

Und gerade weil dieses Rennen von Geist und Körper alles abverlangt, lässt Eberharter den Trubel gerne links liegen. "Ich war in elf Jahren hier noch nie am Abend in einem Lokal. Man muss sich bemühen, das Wesentliche im Auge zu behalten und eine Abfahrt ist ohnehin kein Spaziergang, das gilt hier besonders", erklärt er. Die Bedeutung eines Sieges hier will er - zumindest im Vorfeld - nicht überbewerten. "Um ehrlich zu sein, mein schönster Sieg bisher war Wengen. So eine lange Abfahrt zu gewinnen, wo so viel zusammenpassen muss, ist einfach was Besonderes." Vom Slogan: "Eine Gondel für Eberharter muss her" - nach jedem Hahnenkammsieger wird eine Gondel benannt - hält er dementsprechend wenig.

Noch kein Seriensieger

Auch von einer "Reife zum Seriensieger", ist er noch nicht überzeugt. "Ich habe in dieser Saison vier Rennen gewonnen. Das ist gut, aber kein Seriensieger. Das haben in den vergangenen Jahren einige geschafft. Wenn noch ein paar dazu kommen, dann könnte ich mich erst damit anfreunden." Auch mit der Kombination will sich der Ex-Weltmeister nicht mehr anfreunden. "Ich mache meinen Start im Slalom von den Ergebnissen davor abhängig. Aber eine große Liebe zum Slalom werde ich sicher nicht mehr entwickeln."

Dafür ist aus Eberharter zumindest in dieser Saison der Parade-Abfahrer geworden. "Das Material passt, das ist wichtig. Darum muss ich mir keine Gedanken machen." Doch so richtig leicht und locker geht es ihm immer noch nicht von der Hand. "Ich bin kein Typ wie Kristian Ghedina, der am Start Scherze machen kann. Ich muss in mich gehen, mich konzentrieren." Solange es auch in Kitzbühel so gut funktioniert, kein Problem. (APA)

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