Tiefe Temperaturen ließen Kalterer See heuer komplett zufrieren

16. Jänner 2002, 16:23
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Schilf-Mähen durch Eisflächen erleichtert

Bozen - Die "Schilfmahd" am weit über die Landesgrenzen hinaus bekannten Kalterer See in Südtirol ist in vollem Gang. Durch die kalte Witterung ist heuer der gesamte See von einer dicken Eisschicht überzogen und der Boden im Sumpfgebiet gut durchgefroren. Dies wird derzeit genutzt, um verschiedene Pflegemaßnahmen durchzuführen, die mangels tragfähiger Eisdecke seit längerem aufgeschoben werden mussten.

Der etwa 120 Hektar große Schilfgürtel im Süden des Sees ist das größte erhalten gebliebene Feuchtgebiet zwischen der Poebene und dem Alpenhauptkamm. "Das Biotop ist deshalb eine Naturoase von unschätzbarem Wert und für Abertausende Zugvögel ein überlebenswichtiger Rastplatz auf ihrem Flug über die Alpen", betonte Umweltlandesrat Michl Laimer (SVP) am Mittwoch.

Derzeit werden vom Amt für Landschaftsökologie große Schilfflächen gemäht. Die anfallende Streu wird zu Rundballen gepresst und von Bauern zur Einstreu abgeholt. Durch Jahrhunderte haben die Kalterer Bauern die "Strebmöser" so genützt.

Wird eine Schilffläche nicht mehr gemäht, so breiten sich rasch Weidenbüsche aus und der Lebensraum der seltenen Vogelfauna schwindet. "Die Mahd von Streuwiesen wird im Winter durchgeführt, da so nur die bereits abgestorbenen Pflanzenhalme entnommen werden, die Störung für die Tierwelt minimal ist und bei gefrorenem Boden auch größere Maschinen eingesetzt werden können", betonte die Biologin Maria Luise Kiem vom Amt für Landschaftsökologie. Gleichzeitig werde dadurch verheerenden Flächenbränden vorgebeugt, die Flora der Streuwiesen sprieße im Frühjahr wieder mit neuer Kraft und Zugvögel kommen leichter zu ihrer Beute.

In Ufernähe bleiben Schilfstreifen

Für jene Vogelarten, die alte Schilfröhrichte als Lebensraum bevorzugen, wie der Sumpfrohrsänger, werden immer wieder Schilfstreifen stehen gelassen. In Ufernähe verbessere die Schilfmahd zudem auch die Wasserqualität des Sees. Überschüssige Nährstoffe würden dem empfindlichen Seeökosystem entzogen, eine sauerstoffzehrende Vermoderung werde vermieden und die Verlandung des Sees gebremst. (APA)

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