985 Millionen Euro sollen in Österreichs Schutzwald investiert werden

16. Jänner 2002, 14:03
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Schutzwaldplattform soll Finanzierung organisieren

Salzburg - Rund 985 Mill. Euro (13,56 Mrd. S) müssen in den nächsten zehn Jahren in Österreichs Schutzwälder investiert werden, sagte Landwirtschaftsminister Wilhelm Molterer (V) am Mittwoch, bei einem Pressegespräch in Salzburg. Ein Verzicht auf dringend notwendige Verjüngungsmaßnahmen und teilweise ergänzende technische Verbauungen auf einer Fläche von 300.000 Hektar - das entspricht 7,2 Prozent der gesamten Schutzwaldfläche - würde jährliche Kosten in Höhe von etwa 349 Mill. Euro insbesondere für technische Maßnahmen zur Folge haben, so der Minister.

Verbesserung des Schutzwaldes

Die Finanzierung der Wälder, die Alpentäler gegen Lawinen, Muren oder Steinschläge schützen sollen, könne nicht allein von den Waldeigentümern getragen werden. Aus dem Landwirtschaftsressort werden heuer insgesamt rund 72,7 Mill. Euro in die Verbesserung des Schutzwaldes fließen, so Molterer.

Schutzwaldstrategie

Neben Bund und Ländern sollen künftig auch die Gemeinden, Nutzer der Bannwälder - etwa Raumordnung und Verkehrsinfrastruktur - und andere Gebietskörperschaften wie Wirtschaftskammer oder das Infrastrukturministerium eingebunden werden, kündigte Molterer an. Zu diesem Zweck unterzeichneten am Mittwoch sämtliche relevante Interessengruppen eine gemeinsame Erklärung zur österreichischen Schutzwaldstrategie, in der die Einrichtung einer Schutzwaldplattform als zentrale Schnittstelle beschlossen wird.

Lawinengefahr stoppen

Die Gemeinden hätten "ein doppeltes und dreifaches Interesse am Schutzwald - natürlich nicht beim Zahlen, sondern beim Erhalten", meinte Gemeindebund-Präsident Helmut Mödlhammer und betonte gleichzeitig, dass die Gemeinden "als Finanziers jedenfalls dabei sein werden". Als Baubehörde sei die Gemeinde daran interessiert, das Ausmaß der "roten Zonen" - die nicht bebaut werden können - möglichst gering zu halten. Zudem wüssten die Gemeinden selbst am besten über den Zustand des Waldes Bescheid und hätten im Zusammenhang mit der Lawinengefahr oft einen "siebenten Sinn", so Mödlhammer.

Ein Fünftel der österreichischen Waldfläche sind derzeit Schutzwald

Etwa ein Fünftel der österreichischen Waldfläche - 800.000 Hektar - sind derzeit als Schutzwald ausgewiesen. In den vergangenen zehn Jahren wurden etwa 305 Mill. Euro in die Verbesserung von etwa 172.000 Hektar Schutzwald investiert. Die Sicherung der notwendigen Schutzfunktion der Wälder in Berggebieten erfordere neben einem stabilen Dauerbewuchs, intensiver Pflege auch eine rechtzeitige Verjüngung des Bestandes. Im Zusammenhang mit dem Wildverbiss - der durch zu hohe Wilddichte ebenso bedingt werden könne wie nicht standortgemäßen Bestand oder zu wenig Ruhe für das Wild durch Freizeitinteressen - meinte Molterer, dass es hier zu einem Umdenken in der Auslegung der Jagdgesetze gekommen sei, so dass im Vollzug auch auf forstliche Interessen geachtet werde. (APA)

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