Oberösterreich: Umstrittene Belohnung für Schuldirektoren

16. Jänner 2002, 13:00
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Lehrervertreter reagieren je nach Parteizugehörigkeit unterschiedlich

Linz - Eine finanzielle "Belohnung" für Schuldirektoren sorgt jetzt in Oberösterreich für "dicke Luft" unter den Lehrervertretern. Je nach Parteizugehörigkeit reicht die Beurteilung der finanziellen Zuwendung für die Schulchefs von "gerechtfertigt" bis "Schweigegeld für Kritiker am neuen Dienstrecht".

Fritz Enzenhofer, der Präsident des oberösterreichischen Landesschulrates, konnte kürzlich den Direktoren der Pflichtschulen eine "gute Nachricht" übermitteln: Es sei ihm bei Unterrichtsministerin Elisabeth Gehrer gelungen, eine "Belohnung aus einem Sondertopf" zu lukrieren, und zwar als Abgeltung für den "großen Einsatz" der Direktoren bei der administrativen Umsetzung des neuen Dienstrechts.

Die Belohnung besteht in einem Einmalbetrag in der Höhe von - je nach Klassenzahl der Schule - 218 Euro bis 508 Euro (3.000 bis 7.000 S), der demnächst zu Auszahlung kommt.

Unterschiedliche Reaktionen der LehrerInnenvertretung

Die Lehrervertreter reagierten unterschiedlich auf die jetzt bekannt gewordene Belohnung für die Direktoren. Uta Barbara Pühringer von der ÖVP erklärte, sie halte die Belohnung für gerechtfertigt, weil die Schulleiter bei der Einführung des neuen Dienstrechts eine erhebliche Mehrarbeit gehabt und diese bestens geleistet hätten. "Es soll nicht dort gespart werden, wo es um Leistung und Leistungsanreiz geht", so Pühringer.

Peter Grassnigg, Sprecher der SPÖ-Lehrer in Oberösterreich, sieht die Belohnung hingegen nicht als gerechtfertigt an, "mit Speck fängt man Mäuse", formulierte Grassnigg, und es handle sich offensichtlich um einen Versuch, mit einer Art "Schweigegeld" die Kritiker am neuen Dienstrecht zum Verstummen zu bringen. Grassnigg, der selbst Schuldirektor ist und die Belohnung bekommen wird, kündigt an, das Geld entweder seiner Schule oder einem wohltätigen Zweck überlassen zu wollen.

Freiheitliche dagegen

Dietlinde Walcher von den freiheitlichen Lehrern sieht die Dinge ähnlich. "Diese Belohnung ist in keiner Weise gerechtfertigt, zumal das neue Dienstrecht ja nicht von den Direktoren allein sondern von allen Lehrern gemeinsam umgesetzt wird". Man solle das Geld lieber für Bildungszwecke oder für die Begabtenförderung verwenden, so Walcher, die an die Direktoren appelliert, ihre Belohnung zurückzuschicken, sie einem guten Zweck zuzuführen "oder wenigstens für ein gemeinsames Essen aller Lehrer an der Schule zu verwenden".

Lehrervertreter Wilfried Mayr von der Fraktion Unabhängiger Gewerkschafter kritisiert die Belohnung ebenfalls, es erhebe sich die Frage, "welche Töpfe" hier existieren, "aus denen ohne Wissen anderer besondere Personenkreise gesponsert werden können".

Landesschulratspräsident Enzenhofer bleibt aber dabei: "Die Belohnung ist ja nicht einmal eine Abgeltung für die Mehrarbeit, sie ist ein kleines Dankeschön dafür". Und von Schweigegeld zu reden, sei völlig verfehlt, "erstens wäre das für ein Schweigegeld viel zu wenig und zweitens bedeutet ja die Belohnung in keiner Weise, dass über das neue Dienstrecht nicht mehr weiter diskutiert werden dürfte". (APA)

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