Opernball: Die Chronique scandaleuse

16. Jänner 2002, 11:58
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Von Lollobridgida über Förtschi bis Naddel

Wien - 1992 fasste Richard Lugner den folgenschweren Entschluss, einen Gast mit auf den Opernball zu nehmen. Seitdem zierte Prominenz aus aller Welt die Seite des Baumeisters. Doch neben medialer Aufmerksamkeit, Rampenlicht und auch internationaler Popularität brachten viele Gäste dem Societylöwen vor allem eines: Probleme. Höhepunkt der Chronique scandaleuse war sicherlich, als Grace Jones hinter einem Vorhang in der Loge Lugners beim Ball ihre fleischliche Lust mit einem jungen Liebhaber stillte. "Das war akustisch klar wahrnehmbar", bestätigte der Baumeister jetzt lang kursierende Gerüchte.

Aufpreis

Eigentlich wollte Lugner ja schon 1991 einen Gast auf den Opernball mitnehmen - allerdings aus Zufall. Die italienische Filmlegende Gina Lollobrigida bot sich an, gegen einen kleinen "Aufpreis fürs Kleid" die Veranstaltung zu besuchen. "Die Verträge waren schon unterschrieben", erzählte Lugner. Doch dann sagte die damalige Ballmutter Lotte Tobisch auf Grund des Golfkrieges das feierliche Ereignis in der Oper kurzerhand ab.

So wurde ein "sehr problemloser" Harry Belafonte 1992 der Premierengast. "Damals fast ohne medialer Aufmerksamkeit", sagte Lugner. Auch der Vertrag mit dem US-Sänger sei eher "nebenbei" zu Stande gekommen. Pressekonferenzen und Autogrammstunden gab in diesen unschuldigen Tagen noch nicht. Die einzige Unpässlichkeit war, dass Belafonte eine Freundin in Wien hatte und deshalb schon früh am Abend über "Unwohlsein" geklagt hat. "Draußen hat dann schon das Auto gewartet", sagte Lugner.

Eiskalt

Mit Joan Collins im Jahr 1993 wurde alles anders. "Sie war sehr professionell - und eiskalt", erinnerte sich Lugner. Von der amerikanischen Schauspielerin wurde der Baumeister auch erstmals mit den Macken und Sonderwünschen internationaler Prominenz konfrontiert: Da die Diva prinzipiell nur im Minirock auftrat, musste das Pult auf der Bühne der Lugner City für die erste Autogrammstunde auf den drei zum Publikum zeigenden Seiten züchtig verhängt werden. "Damit ihr niemand unter den Rock schauen konnte."

Mineralwasser durfte nur verschlossen bereitgestellt werden. "Sie hatte Angst, dass ihr jemand Schlafmittel hinein schüttet", erklärte der Baumeister. Die Schauspielerin erwies sich auch als überaus geschäftstüchtig: Autogramme gab sie nur in ein über sie erschienenes Buch - das vorsorglich an einem extra Tisch verkauft wurde. "Das hatten wir seither nicht mehr", so Lugner.

Dekolletee

Sophia Loren im Jahr 1995 war Lugners dezidierter Lieblingsgast. "Sie war halt eine echte Dame", schwärmte der Society-Löwe. Erhaben winkte sie von der Brüstung der Lugner City dem Volk, gnädig signierte sie Autogramme - und Probleme machte sie auch nicht. Bleibenden Eindruck hinterließ auch ihr "riesiges Dekolletee" (Lugner). Besonders als ihr in der Loge des Bundespräsidenten jemand auf das Kleid gestiegen ist und der Inhalt desselben in seiner ganzen Pracht fast herausgesprungen wäre. "Da war sie schon angefressen."

Mit der US-Sängerin Grace Jones steuerte die Chronique scandaleuse im Jahr 1996 auf ihren vorläufigen Höhepunkt zu. Die frischverliebte Künstlerin wurde ihrem Ruf als "Skandalnudel" jedenfalls mehr als gerecht. Probleme mit dem Gepäck am Flughafen brachten von Anfang den ohnehin engen Zeitplan zum Kippen - und die Triebe der Künstlerin ließen den Baumeister endgültig die Nerven schmeißen.

Sex

Zum ersten Mal pochte die Sängerin vor dem Abendessen im Restaurant Corso darauf, sich unbedingt auf ihrem Zimmer im Hotel Imperial umziehen zu müssen. Der Baumeister wartete indes davor. "Dann hatte sie mit ihrem Freund Sex, das haben wir gehört", erinnerte sich Lugner genau. Nach dem Dinner hatte Grace Jones erneut etwas an ihrem Kleid auszusetzen - und verspürte wiederum das dringende Bedürfnis, sich vor dem Ball umzuziehen...

Doch all der Ärger mit seinen Gästen dürfte sich für den Baumeister gelohnt haben: "Gemessen an Medienberichten ist der Name Lugner eine Milliarde Schilling wert."

Förtschi

Selbst in der Loge des Baumeisters in der Oper war die Sängerin mit ihrem Outfit noch nicht ganz zufrieden. Kurzerhand verschwand sie mit ihrem Liebhaber hinter einem Vorhang. "Dort hatte sie wieder Sex, das war akustisch klar wahrnehmbar", so der Baumeister. Es kam, wie es kommen musste: Für einen Besuch in der Underground Diskothek U4 nach dem Ball war Grace Jones natürlich nicht passend gekleidet. Und so wollte sie sich selbstverständlich auf den Toiletten umziehen. "Der Freund bleibt aber da", befahl der wohl bereits ein wenig entnervte Gastgeber. Und siehe: Anstatt der üblichen halben Stunde schaffte die Sängerin den Kleiderwechsel in wenigen Minuten. "Sie haben später übrigens geheiratet", schmunzelte Lugner.

In die internationalen Schlagzeilen - und in Konflikt mit dem Protokoll - gelangte Lugner 1997 mit Sarah "Förtschi" Ferguson, der Herzogin von York. Diese bestand nämlich darauf, in Wien auch von offizieller Seite Willkommen geheißen zu werden. Eine Ehre, die ihr als geschiedenes - und daher nicht mehr - Mitglied des englischen Königshauses nicht zustand. Der englische Botschafter in Österreich wählte den diplomatischen Weg und verabschiedete sich kurzerhand auf französisch in einen "seit langem geplanten" Skiurlaub. Die Etikette erlaubte es Ferguson nicht einmal, mit dem damaligen Minister Werner Fasslabend über die Feststiege zu schreiten. Für das Ballfoto wurde die Gruppe aber schließlich trickreich so posiert, dass die Herzogin doch noch neben dem Ressortchef zu stehen kam - und so wenigstens halbwegs ehrenvoll davon kam.

Probleme

Der Ärger mit liebestollen Künstlerin, eisigen Diven und ehemaligen Mitgliedern der Königshauses wurde im Jahr 2000 von einem politischen Akt in den Schatten gestellt. Nach der Konstellation der FPÖ-ÖVP-Regierung liefen dem Baumeister die potenziellen "Ballspenden" gleich in Scharren davon. Claudia Cardinale wollte plötzlich ebensowenig an der Seite Lugners die Veranstaltung besuchen wie Catherine Deneuve. "Ich hatte zeitweise Angst, ganz ohne Gast dazustehen", sagte Lugner.

Zu guter Letzt hatte der Baumeister aber dann gleich zwei Gäste. Jacqueline Bisset entschloss sich, nachdem sie mehrmals auf dem Weg zum Flughafen wieder umgedreht hatte, doch noch dazu, nach Wien zu fliegen. Und Nadja Abdel Farrag hatte von Anfang wenig Zicken gemacht. Das Ereignis selbst ging dafür problemlos über die Bühne.

Der Gast des vergangenen Jahres, Farrah Fawcett, dürfte sich dagegen wie ein Spaziergang ausgenommen haben. Auch wenn der Ex-Engel für Charlie mit schwierigem Manager sowie liebes- und drogentollem Sohn nach Wien gereist war, der partout nicht von "Mausis" Seite weichen wollte.(APA)

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